Mönchengladbach: Arge in der Kritik – 310 Gladbacher klagen

Mönchengladbach : Arge in der Kritik – 310 Gladbacher klagen

Die Arge kommt nicht zur Ruhe. Der geplante Umzug an das Letzerich-Gelände bringt kartonweise Stress ins Haus, die Diskussion um die nichtgenutzten neun Milliarden Euro für Langzeitarbeitslose bringen Arge-Chef Klaus Müller in Erklärungsnot. Und die Kritik der „Kunden“, also der Hartz-IV-Empfänger, reißt auch nicht ab. 310 Mönchengladbacher klagen derzeit beim Sozialgericht Düsseldorf gegen die Gladbacher Arge. Es geht um angeblich falsche Bescheide, nicht bewilligte Wohngelder oder verspätete Zahlungen.

„Falsch beraten“

Auch der Service wird bemängelt. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagt Claudia Heinrichs (53). Seit Februar 2005 ist sie arbeitslos, inzwischen hat sie eine ABM-Stelle bei der Awo angenommen und bezieht ergänzend Arbeitslosengeld II. „Die Stelle habe ich mir selbst gesucht, von der Arge kam nichts.“ Vorher habe man sie mehrfach falsch beraten und ihr etwa erklärt, dass sie nach Ablauf der ABM-Tätigkeit wieder Anspruch auf das (höhere) Arbeitslosengeld I habe. „Das ist aber nicht so. Das hat sich längst geändert“, so Heinrichs. Ärgerlich auch: Die Zahlungen kamen verspätet, Rückrufe von ihrer Betreuerin blieben aus. „Würde ich so arbeiten, würden meine Kunden weglaufen“, sagt sie. Alexander Wingerath wundert sich ebenfalls. Der 25-Jährige fand nach seiner Bundeswehr-Zeit keinen Job und absolviert derzeit eine berufsqualifizierende Vollzeitausbildung an der Berufsfachschule. Wie er das ohne Einkommen finanzieren sollte, wollte er von der Arge wissen. Ein Betreuer riet ihm, statt Arbeitslosengeld II (Hartz-IV) lieber Bafög und Wohngeld zu beantragen. „Das geht aber gar nicht zusammen“, zitiert Wingerath aus einem späteren Gespräch mit der Arge. Deren Geschäftsführer Klaus Müller kann sich nicht vorstellen, dass seine Mitarbeiter zu einer gleichzeitigen Antragstellung geraten haben: „Wir sind die nachrangigste Behörde, wir können erst Leistungen gewähren, wenn alle vorherigen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.“ Insofern müsse zunächst ein Bafög-Bescheid vorliegen. „Erst wenn das nicht reicht, kann es von uns ergänzende Hilfe geben.“ Das werde in dem Fall gerade überprüft.

Müller versteht die Kritik an seiner Behörde nicht. „Es gibt immer Verbesserungspotenzial, aber wir leisten gute Arbeit.“ Die internen Vergleichszahlen mit anderen Argen würden das belegen. „Wir verschicken knapp 3500 Bescheide pro Monat, davon kommen nur 5,7 Prozent als Widerspruch zurück. Damit liegen wir in NRW nur knapp über dem Durchschnitt.“ Und nur ein Drittel der Widersprüche seien rechtlich begründet.

(RP)
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