Mönchengladbach: Arbeitslosigkeit wächst trotz Job-Booms

Mönchengladbach: Arbeitslosigkeit wächst trotz Job-Booms

Jahrelang sank die Zahl der Menschen ohne Job, doch zum Jahresende 2017 hat sich der Trend umgekehrt: Die Zahl der Arbeitsplätze wächst zwar, die der Arbeitslosen aber auch. Sorgen bereitet der Arbeitsagentur die Gladbacher Industrie.

Der Arbeitsmarkt in Mönchengladbach boomt, aber trotzdem ist die Zahl der Arbeitslosen in der Stadt im Dezember gestiegen. Genau 14.303 Gladbacher waren zum Jahreswechsel arbeitslos gemeldet, was einer Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent entspricht. Im Dezember 2016 waren es noch 1617 arbeitslose Männer und Frauen weniger in der Stadt, die Arbeitslosenquote betrug damals 9,4 Prozent - ein für die Stadt geradezu historischer Tiefstand. Schaut man sich hingegen die Jahresdurchschnitte bei der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosenquote an (siehe Grafik), dann wird deutlich: Beides sinkt im Durchschnitt bereits seit Jahren - auch 2017.

"Wir haben in der Stadt Mönchengladbach eine strukturell schwierige Situation", sagt Angela Schoofs, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit in Mönchengladbach - obwohl es zuletzt einen großen Aufwärtstrend mit vielen Neuansiedlungen gegeben habe. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze eilt auch weiter von Rekord zu Rekord, zum 30. Juni 2017 lag sie bei 96.392. "Wir haben eine ausgesprochen hohe Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften, aber die Arbeitslosen haben oft die dafür benötigte Qualifikation nicht", sagt Schoofs. Deshalb seit Ausbildung in den Betrieben, aber auch Qualifikation und Weiterbildung durch Angebote der Agentur gerade in Mönchengladbach so wichtig.

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Dabei scheint der Boom auf dem Arbeitsmarkt schnurstracks an der Gladbacher Industrie vorbeizugehen. Gerade traditionsreiche Unternehmen aus der Stadt machen derzeit vor allem durch den Abbau von Arbeitsplätzen auf sich aufmerksam: Der angeschlagene Motorenbauer Schorch strich in der Insolvenz in Eigenverantwortung 144 Stellen. Zum Jahreswechsel wechselten die ersten Kollegen in eine Transfergesellschaft. Im Dezember empörte General Electric die ganze Stadt mit der Ankündigung, das profitable Transformatoren-Werk an der Rheinstraße schließen zu wollen. 2019 sind dort 371 Arbeitsplätze in Gefahr. Und so könnte es auch andernorts in der Stadt in diesem Jahr weitergehen. "Der industrielle Bereich in dieser Stadt macht uns Sorgen", sagt Angela Schoofs. Für die gut ausgebildeten Fachkräfte gebe es zwar Arbeitsplätze und damit verbunden auch gute Chancen, woanders unterzukommen - aber nicht unbedingt in Mönchengladbach oder im benachbarten Rhein-Kreis Neuss. Oft seien die industriellen Fachkräfte in ihren Betrieben auch übertariflich bezahlt. Ein Wechsel in einen anderen Betrieb ist dann oft mit Gehaltseinbußen verbunden. "Es gab zwar in Mönchengladbach zuletzt einen unheimlichen Aufwärtstrend mit vielen Neuansiedlungen. Das eigentliche Problem aber ist, dass es kaum Neuansiedlungen industrieller Arbeitsplätze gibt", warnt Schoofs. "Wir erleben einen Strukturwandel von industriellen zu gewerblichen Arbeitsplätzen mit deutlich niedrigerem Lohnniveau."

Auffällig ist ein Anstieg bei der Zahl der arbeitslosen Ausländer. Sie liegt in Mönchengladbach inzwischen bei 3670, ein Zuwachs im Jahresvergleich um 11,2 Prozent. Das ist angesichts der Flüchtlingszahlen 2015 und 2016 wenig verwunderlich. Der Anstieg ist praktisch ausschließlich auf Geflüchtete aus den nicht-europäischen Asylherkunftsländern zurückzuführen. Die werden mit kombinierten Sprach- und Qualifizierungsmaßnahmen und Berufspraktika fit gemacht für den Arbeitsmarkt. "Aber das braucht viel Zeit", sagt Schoofs. Derzeit seien bei Geflüchteten, die einen Job haben, 77 Prozent als Helfer angestellt. "Um den Fachkräftebedarf zu decken, müssen wir weiter viel qualifizieren und bilden."

(RP)