Mönchengladbach: Arbeitslosenzentrum ist bei Beratungen am Limit

Mönchengladbach: Arbeitslosenzentrum ist bei Beratungen am Limit

Neues Quartierskonzept soll die Einrichtung sichern.

Das Arbeitslosenzentrum (ALZ) stößt mit seinen Angeboten an seine Leistungsgrenzen. Das liegt unter anderem daran, weil zunehmend anerkannte Flüchtlinge und EU-Ausländer um Rat und Hilfe bitten. Darauf weist ALZ-Leiter Karl Sasserath in der Jahresbilanz für das vergangene Jahr hin. Er verknüpft dies mit einer Kritik an die Stadt. Sie beachte dieses zusätzliche Engagement nicht: "Dafür gibt es kein Geld, um beispielsweise zusätzliches Personal einzustellen."

Der Sozialarbeiter, der mit seinem Kollegen Julian Strzalla in der Einrichtung an der Lüpertzender Straße 69 berät, nennt Beispiele: Viele der Beschäftigten, häufig aus Osteuropa und anderen Staaten der Europäischen Union, würden bei den Logistik-Riesen im Güdderather Regiopark nur im Rahmen sachgrundlos befristeter Arbeitsverträge eingestellt. Oft werden die Arbeitsverträge befristeter Jobs über das Befristungsende hinaus nicht verlängert. Wenn sie dann arbeitslos werden, können sie als EU-Bürger Sozialleistungen beantragen. Sie kommen zur Beratung in ALZ und finden hier Hilfe - ebenso wie seit Jahrzehnten anerkannte Flüchtlinge beispielsweise aus dem Kongo oder Sri Lanka.

Sasserath erinnert daran, dass das ALZ vor mehr als drei Jahrzehnten gegründet wurde, um die Beschäftigungsfähigkeit der betroffenen Arbeitslosen zu erhalten. Heute seien er und sein Kollege längst zu "Lebensberater" geworden. Sasserath: "Da reicht das Geld nicht zum Leben im Alltag. Da versteht ein Betroffener den Hartz-IV-Bescheid nicht. Oder es wurden vom Jobcenter Leistungen gekürzt, sorgen Stromsperren für ,Licht aus, und es geht nichts mehr' oder der Verlust der Wohnung droht. Wir versuchen dann zu helfen."

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Die Sozial- und Erwerbslosen-Beratungen erfasste 2017 mehr als 2700 Beratungskontakte (2016: 2655). Einschließlich der Bewerbungshilfe waren es fast 3063 Kontakte (3022). Im vergangenen Jahr entfielen im Arbeitslosenzentrum differenziert nach Geschlechtern 1549 Beratungsleistungen einschließlich Bewerbung auf Frauen und 1514 auf Männer. Auch beim "preiswerten Mittagstisch" stößt das ALZ an Leistungsgrenzen. Mit fast 9500 Portionen konnte der Hunger von Alleinerziehenden mit ihren Kindern, älteren Männern und Frauen mit wenig Geld gestillt werden. "Das Konzept mit Beratung, Begegnung und Mittagstisch ist erfolgreich und wird sehr stark abgefragt", sagt Sasserath.

Derzeit arbeitet das ALZ an einem Quartierskonzept, das im Sommer vorliegen muss. Es entscheidet mit darüber, ob und wie die Arbeit des ALZ am jetzigen Standort langfristig gesichert werden kann.

(web)