Mönchengladbach: Arbeiten 2030: Der Mensch verliert

Mönchengladbach: Arbeiten 2030: Der Mensch verliert

Studierende der Hochschule wollten wissen, wie sich die Berufswelt verändern wird. Sie befragten 601 Arbeitnehmer. Das Ergebnis: Die Arbeit wird digitaler und mit dem Privatleben verschmelzen. Positiv finden das längst nicht alle.

Wie sieht die Arbeitswelt im Jahr 2030 aus? Wird es große Veränderungen geben? Und wie werden die Menschen diese empfinden? Das versuchten Masterstudierende der Hochschule Niederrhein herauszufinden. Sie befragten 601 Berufstätige und legten ihnen 30 Thesen vor, die es nach ihrer Wahrscheinlichkeit zu bewerten galt. Außerdem sollten die Befragten angeben, ob sie diese Entwicklung positiv oder negativ finden. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass die Befragten davon ausgehen, dass in zwölf Jahren alles digital sein wird, Arbeits- und Privatleben verschmolzen sind und es ständig Veränderungen geben wird. Dass diese Entwicklung dazu führt, dass Angestellte zufriedener sind, bezweifeln die Befragten. Sie gehen aber davon aus, dass die Unternehmen erfolgreicher sein werden als heute. Geleitet wurde die Studie von Alexander Cisik, Professor für Wirtschafts-, Organisations- und Arbeitspsychologie.

Rund 92 Prozent der Befragten glauben, dass der digitale Wandel die Arbeit der Zukunft prägen wird und digitale Arbeitsplätze die traditionellen ersetzen werden. Knapp die Hälfte der Befragten sieht diese Entwicklung kritisch. 88 Prozent glauben, dass die zu bewältigenden Aufgaben in Zukunft stärker variieren und man in wechselnden Projekten arbeiten wird. 72 Prozent der Befragten befürworten das. Sie gehen aber auch davon aus, dass es 2030 häufigere Wechsel der Arbeitgeber geben wird. 53 Prozent finden diese Entwicklung schlecht. Knapp 90 Prozent gehen davon aus, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben an Bedeutung gewinnen wird. Ungefähr genauso viele Befragten bewerten das als positiv. 71 Prozent glauben, dass die Grenzen zwischen der Arbeit und dem Privatleben verschwimmen werden. Rund 52 Prozent der Befragten empfinden das als negative Entwicklung. 67 Prozent gaben an, dass ihnen eine Arbeit, die sie glücklich macht, wichtiger ist als das Einkommen. Auffällig ist, dass die Gruppe der unter 30-Jährigen häufige Arbeitgeberwechsel und digitale Arbeitsplätze als negativer empfinden als die übrigen befragten Altersgruppen. Die unter 30-Jährigen werden in der Studie als wertkonservativ beschrieben.

Die Befragten gehen davon aus, dass die virtuelle Kommunikation noch mehr zunehmen wird und Großraumbüros kleine Büros ersetzen werden. Rund 68 Prozent glauben, dass es keine festen Arbeitsplätze mehr geben wird und die Menschen von dort arbeiten werden, von wo sie möchten. Rund 72 Prozent würden das begrüßen. Homeoffice könnte also ein Thema werden, das an Bedeutung gewinnt. Auch die Art der Bezahlung war Thema. So glauben rund 63 Prozent, dass Arbeitnehmer nicht mehr nach Dauer der Arbeit, sondern nach deren Qualität bezahlt werden. 61 Prozent fänden das sogar positiv. Rund 62 Prozent gaben an, zu glauben, dass die Leistung von Arbeitnehmern zunehmen wird. Dass dies dazu führt, dass die Unternehmen wirtschaftlich erfolgreicher sind, glauben 52 Prozent.

Dass die Arbeitszufriedenheit steigen wird, glaubt nur rund die Hälfte der Befragten. Fast Zweidrittel wünschen sich dies aber. Die Hälfte der Befragten glaubt auch nicht, dass die Motivation steigen wird. Nur rund ein Drittel geht davon aus, dass sich die Menschen 2030 mit ihrer Lebenssituation wohler fühlen als heute. Die Aufgabe von Führungskräften wird es laut Studie sein, den Angestellten Orientierung und Sicherheit in unbeständigen Zeiten zu geben. Dies gelinge nur über Vertrauen und Werte sowie das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse der Mitarbeiter. "Führungskräfte, Mitarbeiter und Personaler werden ihre Rollen ändern müssen, um die Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich zu gestalten", sagt Professor Alexander Cisik.

(RP)