1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: AOK-Gesundheitsreport: Zahlen machen Sorgen

Mönchengladbach : AOK-Gesundheitsreport: Zahlen machen Sorgen

Bei der Säuglingssterblichkeit belegt die Stadt einen traurigen Spitzenplatz, aber auch bei Brustkrebs und Schlaganfällen ist die Sterberate hoch. So das Ergebnis des AOK-Gesundheitsreports.

Der Gesundheitsreport, den die AOK jährlich vorlegt, besteht aus vielen Zahlen und vielen Statistiken. Da werden Todesursachen erhoben, Krankenhausfälle mit oder ohne Notfallfahrt oder die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen. Über die Gründe für Entwicklungen, die hinter den Zahlen stecken, sagen die Statistiken erst einmal nichts aus. Aber etliche Zahlen werfen Fragen auf, denen sich das Mönchengladbacher Gesundheitswesen stellen muss.

Da ist zuerst die hohe Säuglingssterblichkeit, die Gladbach zu trauriger Berühmtheit verhalf. Mit 6,1 Todesfällen auf 1000 Lebendgeborene belegt die Stadt den ersten Platz in der landesweiten Statistik, wobei festzuhalten ist, dass der Report sich allein auf AOK-Versicherte bezieht. Die Zahlen wurden für den Zeitraum von 2010 bis 2012 erhoben.

Die Daten von 2013 scheinen wieder nach unten zu weisen, für 2014 gibt es noch keine verlässlichen Angaben. Die Zahlen beziehen sich - das muss man wissen, um hier nicht über Qualität und Einzugsbereiche der Krankenhäuser zu spekulieren - auf in Mönchengladbach wohnende Bürger, egal in welcher Stadt sie ins Krankenhaus kommen oder behandelt werden.

"Wir sind hier in Gesprächen mit den Medizinern über Vorsorgemaßnahmen", sagt AOK-Regionaldirektor Heinz Frohn. "80 Prozent der Todesfälle bei Babys sind Frühgeburten. Frühgeburten zu vermeiden ist also das A und O." In diesem Zusammenhang gibt es aber auch zwei positive Meldungen: Die Geburtenrate liegt mit 46,9 Geburten je 1000 Frauen zwischen 15 und 44 Jahren klar über dem Landesschnitt von 44,9 Geburten. Und die Kaiserschnittrate ist mit 25 Prozent seit Jahren konstant niedrig.

In anderen Bereichen aber geben die Zahlen Anlass zu besorgten Fragen. Warum liegt Gladbach bei der Todesursache Schlaganfall auf Platz 3 der Statistik (39,5 Sterbefälle je 100.000 Einwohner), obwohl es hier eine Stroke Unit gibt? Vergleichbar schlechte Zahlen haben sonst nur der Oberbergische Kreis oder Euskirchen, wo es keine Stroke Units, also auf Schlaganfälle spezialisierte Krankenhausabteilungen, gibt, während Aachen oder Krefeld, die über Stroke Units verfügen, bessere Zahlen aufweisen? "Die Frage muss man stellen", sagt der AOK-Regionaldirektor.

Auch beim Brustkrebs geben die Daten Rätsel auf. Die Vorsorgezahlen für Gladbach liegen im Durchschnitt, nicht aber die Krankenhausfälle und die Sterblichkeitsrate. Gladbacherinnen werden seltener infolge von Brustkrebs im Krankenhaus behandelt (220 im Vergleich zu 379 im Kreis Düren), aber sie sterben häufiger daran. In Gladbach sterben 28,1 von 100.000 Frauen durch Brustkrebs, im Kreis Düren nur 17,8. "Das wirft Fragen auf", sagt Frohn, "zum Beispiel nach der Qualität der Vorsorge in der Stadt."

Gladbacher sterben im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt auch wesentlich häufiger an ischämischer Herzkrankheit, das ist eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels, die oft durch eine Verkalkung der Herzkranzgefäße ausgelöst wird. Mit 71,2 Sterbefällen auf 100 000 Einwohner liegt Gladbach hier mehr als deutlich vor Krefeld, das nur 50,1 Sterbefälle aufweist. Warum - man weiß es nicht.

Auch warum sich die Anzahl der Wirbelsäulen-Operationen zwischen 2007 und 2013 in Gladbach fast verdoppelt hat (von 147 auf 284), lässt sich nur spekulieren. Ein Schelm, wer dabei an Wirtschaftlichkeit denkt. "Das ist nicht plausibel erklärbar", so Frohn. Aber die AOK unterstützt im Bereich Orthopädie das Einholen einer Zweitmeinung durch ein unabhängiges Krankenhaus, das nicht selbst operiert.

(arie)