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Mönchengladbach: Anpfiff im Mini-Stadion

Mönchengladbach : Anpfiff im Mini-Stadion

Aus Styropor, Holz, Metall und Kunststoff-Chips hat Horst Kapell ganz ohne Fertigbausatz ein 1,80 mal 1,20 Meter großes Fußballstadion gebastelt. Bis zum Ende der WM ist es in einem Pescher Schaufenster ausgestellt.

Der grüne Platz ist in orangefarbenes Flutlicht getaucht. Die Spieler laufen durch den Tunnel ein, der Kameramann filmt sie dabei aus dem Pressebereich. Über dem Stadion schwebt ein alter Doppeldecker. Die Atmosphäre in Horst Kapells Mini-Stadion könnte grandios sein — wenn die Tribüne besetzt wäre. "Ich habe nicht genug Figuren gefunden. Und Playmobil ist zu groß", sagt der 64-Jährige.

Sechs Wochen lang hat er an seinem 1,80 mal 1,20 Meter großen Werk gebastelt. Er verarbeitete Styroporreste, Metall, Holz und bunte Kunststoffchips. Das Material bekam er von seinem Arbeitgeber: Horst Kapell ist Anwendungstechniker bei der Otto Bollmann GmbH in Pesch, einem Fachbetrieb für Lacke und Farben. Bis zum Ende der Frauenfußball-WM stellt er sein Stadion dort an der Sophienstraße im Schaufenster aus.

"Nach der WM will ich es eventuell für einen guten Zweck versteigern", überlegt Horst Kapell. Eigentlich hatte er das Stadion schon vergangenes Jahr zur WM der Männer in Südafrika bauen wollen — doch ihm kam ein Herzinfarkt dazwischen. "Ich habe vorher schon zwei in dieser Größe gemacht", erzählt der 64-Jährige. Ausgestellt hat er diese Exemplare jedoch nicht, sondern verkauft.

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Fußball spielt in seinem Leben schon ewig eine große Rolle, "in der Jugend hab' ich mal beim FC Mönchengladbach mit Günter Netzer gespielt", sagt er. In den 70er Jahren kickte er als Amateur von Fortuna Mönchengladbach in der Landesliga. Irgendwann hatte Kapell dann die Idee, Stadien zu entwerfen — nachdem er zuvor jahrelang Modellautos nach Plan gebastelt hatte. "Mein Stadion ist aber ohne Bausatz entstanden", betont Horst Kapell. "Bausätze sind mit mittlerweile zu bieder. Das kann ja jeder", sagt er.

In seinem Werkraum im Betrieb hat Horst Kapell gewerkelt, nach Feierabend und in den Pausen. "Diese grünen Chips sehen aus wie echter Rasen", findet er und streicht stolz über die Fläche. Fast bis ins kleinste Detail ist alles selbst gemacht, nur die Figuren hat er von einem Aachener bekommen. Kleine Männlein unter anderem in England- und Deutschlandtrikots läuten nun also in dem Schaufenster die Frauen-WM ein — er habe halt nehmen müssen, was er kriegen konnte, sagt der Bauherr, der den deutschen Frauen die Daumen drückt. "Ich glaube, die werden Weltmeister", meint er. "Die sind sehr stark."

Gerne würde sich Horst Kapell im Borussia-Park das Spiel gegen Frankreich anschauen, "aber ich habe keine Karte mehr bekommen. Jetzt sehe ich mir das eben im Fernsehen an".

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(naf)