Mönchengladbach: Angeklagter nahm regelmäßig Drogen

Mönchengladbach : Angeklagter nahm regelmäßig Drogen

Mit Waffen habe der 39-Jährige Freunde bedrohen, aber nicht verletzen wollen.

Die Handschellen blieben in jedem Fall an, entgegnete Richter Lothar Beckers auf die Frage des Verteidigers. Der hatte zu Verhandlungsbeginn am Landgericht darum gebeten, seinem Mandanten während dessen Aussage das Metall abzunehmen. Doch auch in der U-Haft hätte sich der Angeklagte nicht unter Kontrolle, argumentierte Beckers. Deswegen: mit Handschellen.

Am zweiten Verhandlungstag hatte sich der Angeklagte durchgehend unter Kontrolle. Ruhig und ausführlich antwortete der 39-Jährige auf die Fragen und äußerte sich zu den Tatvorwürfen. Im Juni 2017 soll er sich mit einem Freund verabredet und ihm in dessen Auto eine Pistole an den Kopf gehalten haben. Im letzten Moment soll der Freund die Pistole weggeschlagen haben, so dass die Kugel die Windschutzscheibe durchschoss.

Zu keiner Zeit habe er die Pistole direkt auf seinen Freund gerichtet, sagte der Angeklagte. Den Schuss habe er Richtung Scheibe abgegeben, um zu verdeutlichen, dass er es ernst meine. Mehrfach fragte der Kammervorsitzende Beckers im Sitzungssaal des Landgerichts: "Was war denn überhaupt das Problem und der Grund für das Treffen?"

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Doch genau das konnte der Angeklagte nicht klar beantworten. Er habe Stimmen vor seinem Haus gehört und sei der festen Überzeugung gewesen, dass es sich um seinen Freund handle. "Ich wollte wissen, warum er vor meinem Haus steht und was er vor hat, ob er mich fertigmachen will", sagte der 39-Jährige. Er sei nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen, vielmehr paranoid. Seit seinem 16. Lebensjahr konsumiert der Angeklagte nach eigenen Angaben Drogen, vor der ersten Tat habe er fast täglich Cannabis geraucht oder Kokain genommen.

Er sei so "drauf" gewesen, auch lange nach der Situation im Auto. Laut Anklage soll er noch am selben Tag in der Wohnung seiner Mutter mit einem weiteren Freund in einen Streit geraten sein. Der Angeklagte soll ihn mit einem Messer bedroht, verletzt und anschließend vom Balkon gestoßen haben - den Sturz überlebte er schwer verletzt.

Auch diesen Vorfall schilderte der Angeklagte anders: Ja, er habe sich ein Messer genommen und seinen Freund bedroht. Jedoch habe er so weit entfernt von ihm gestanden, dass keine Verletzung möglich gewesen sei. Aus Panik sei der Freund aus dem Fenster auf den Balkon geklettert, über die Balustrade gestiegen und runtergesprungen.

Dass der 39-Jährige bereits einen Monat zuvor, im Mai, eine weitere Person mit einer Pistole bedroht haben soll, um Spielschulden einzutreiben, räumte der Angeklagte ein. Rund 1400 Euro habe ihm der Mann geschuldet, mit dem er Monate zuvor in einer Cocktail-Bar Backgammon gespielt hatte. Drei Zeugen äußerten sich im Verhandlungssaal zu dem Vorfall am Hauptbahnhof. Darunter ein Mitarbeiter eines Döner-Imbiss und zwei Freunde des Beteiligten.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag, 30. Januar fortgesetzt.

(laha)