Mönchengladbach: Angeklagter: Es geschah im Liebesrausch

Mönchengladbach : Angeklagter: Es geschah im Liebesrausch

Wegen sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person und Vergewaltigung hat das Mönchengladbacher Schöffengericht einen Viersener (30) zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Hartnäckig hatte der Angeklagte bestritten, sich an einer betrunkenen und schlafenden Frau vergangen zu haben. Aber das Opfer (46), das sich in seiner Aussage an einen nächtlichen Albtraum in seiner Wohnung erinnerte, überzeugte das Gericht. In der Urteilsbegründung ging der Richter noch einmal auf den Fall ein.

In der Diskothek kennen gelernt

Die 46-jährige Gladbacherin ließ sich damals von ihren Freundinnen trösten. Ihr Freund hatte sie kurz zuvor verlassen. Die Frauen trafen sich am Abend des 31. Oktober vor zwei Jahren in der Wohnung der traurigen Gastgeberin. Nachdem die Gäste gegangen waren, verließ die 46-Jährige ebenfalls die Wohnung. Sie begab sich in eine Diskothek am Alten Markt.

Sie lernte den Angeklagten kennen. Man kam ins Gespräch, trank Alkohol. Er machte ihr Komplimente. Dass er statt Wodka nur Wasser im Glas hatte, blieb ihr verborgen. Die beiden tanzten und tauschten Zärtlichkeiten. Als es um den Nachhauseweg ging, bedauerte der Mann: „Ich muss ja noch nach Viersen.“ Sie bot ihm an, sie in ihre Wohnung zu begleiten. Er nahm das Angebot an. Aber an Sex sei sie keinesfalls interessiert, machte ihm die Frau klar, die damals zwei Promille im Blut hatte.

Von da an gingen die Aussagen auseinander. Er sprach von einvernehmlichem Sex in ihrem Schlafzimmer. Sie sagte, er sollte auf der Couch schlafen und sie in ihrem Schlafzimmer.

Sie sei aufgewacht, als er „auf ihr drauf saß“. Sie habe geschrien und sich gewehrt. Er habe sie festgehalten und nunmehr zum Analverkehr gezwungen. So sei das nicht gewesen, verteidigte sich der Angeklagte. Die Kratzspuren auf seinem Körper seien im „Liebesrausch“ entstanden.

Das Gericht wertete die dann allerdings als Abwehrspuren und die Hämatome auf den Oberschenkeln des Opfers als Griffspuren des Täters. Die Frau rannte nach den Vorfällen ins Badezimmer und verständigte im Anschluss am Handy die Polizei.

Am Ende bezweifelte das Gericht die Version des Vierseners. Er habe mindestens zehn Cocktails getrunken, hatte der behauptet.

Tatsächlich ergab sein Alkoholpegel am Morgen nach der Tat null Promille.

Bei der Urteilsfindung spielte auch eine Rolle, dass der Angeklagte in der Vergangenheit schon einmal aufgefallen war, als er junge Mädchen belästigte und deshalb bestraft worden war.

(RP)
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