Mönchengladbach: An die Urnen!

Mönchengladbach: An die Urnen!

Beim Projekt "Juniorwahl" können Schüler ihre Stimme abgeben - etwa in der Marienschule und im Gymnasium am Geroweiher.

Keine zwei Minuten dauert es, und Juliana Lamparter kommt wieder aus der Wahlkabine. Die Zehntklässlerin der Marienschule weiß genau, wo sie ihre zwei Kreuze bei der Bundestagswahl setzt. Die Schule nimmt erstmals an den bundesweiten Juniorwahlen teil. Seit 1999 haben in Deutschland Schüler ab Klasse sieben die Möglichkeit, im Rahmen der Schule ihre Stimmen zu Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen abzugeben. Das größte Schulprojekt Deutschlands möchte so minderjährigen Jugendlichen die Wichtigkeit der Demokratie und ihres Stimmrechts nahelegen und sie darin unterstützen, sich eine eigene politische Meinung zu bilden.

Vier Tage vor der offiziellen Wahl - und nach zwei Wochen theoretischem Unterricht mit Bezug zur Bundestagswahl - gaben die 430 Schüler der Klassen neun, EF (10), Q1 (11) und Q2 (12) also jetzt schon einmal einen Wahlzettel ab. "Es ist wie ein Probedurchlauf für die Schüler, bevor sie in ein paar Jahren als Erstwähler offiziell ihre Kreuze setzen dürfen", sagt Sozialwissenschaftslehrerin Katrin Hommen.

Organisiert wurde das Projekt von den Lehrerinnen Katrin Hommen und Barbara Fink sowie elf Schülern aus dem Sozialwissenschaftsleistungskurs der Q1. Schon vor den Sommerferien hatte Hommen entschieden, die Oberstufenschüler sowie die Neuntklässler für die Juniorwahlen anzumelden. "Ich denke, dass der Gedanke, wie wertvoll Demokratie ist, oftmals verloren geht", sagt Hommen. Louis Steinbronnen ist der diesjährige Wahlleiter an der Marienschule. "Ich war zwar schon vorher politisch interessiert, aber die TV-Duelle hätte ich mir beispielsweise nicht angeguckt. Doch das intensive Beschäftigen mit den unterschiedlichen Wahlprogrammen hat meine Meinung gefestigt", sagt der Q1-Schüler. Er und seine Stellvertreterin Pauline van Vlodrop waren unter den Ersten, die ihre Stimmzettel in die Wahlurne warfen.

Auch im Gymnasium am Geroweiher wurde gestern abgestimmt. Foto: Ilgner Detlef
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Pauline van Vlodrop kannte das Prinzip der Juniorwahlen aus ihrem Austauschjahr in Nordengland. "Durch das intensive Beschäftigen mit politischen Themen informiere ich mich nun selbst - und nicht nur über meine Eltern", sagt sie. Die politischen Diskussionen aus dem Unterricht nach Hause zu tragen und so die Eltern darauf aufmerksam zu machen, am Sonntag zur Wahl zu gehen, "ist ein zusätzlicher Bonus", sagt Hommen.

Die Behauptung, jüngere Generationen würden sich nicht für politische Themen interessieren, ist auch für die Schüler des Gymnasiums am Geroweiher haltlos. 88 Prozent haben sich dort von Montag bis gestern an der Juniorwahl beteiligt. Im Politik- und im Geschichtsunterricht haben sie über das Wahlprozedere und über die Wahlprogramme der Parteien gesprochen. "Es ist wichtig, dass Schüler früh an das demokratische System herangeführt werden", sagt Schulleiter Christian Dern. Und: "Sie sollen die Wahl nicht nur als Hype erleben, wie sie in manchen Talkshows inszeniert wird, sondern sich inhaltlich mit den Programmen auseinandersetzen."

Wie die Juniorwahlen an der Marienschule und am Gymnasium am Geroweiher ausgegangen sind, weiß übrigens noch niemand. Die Ergebnisse werden erst am Sonntag um 18 Uhr bekannt gegeben.

(nije)
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