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Mönchengladbach: An China führt kein Weg vorbei

Mönchengladbach : An China führt kein Weg vorbei

Das Gymnasium am Geroweiher sucht den Kontakt ins Reich der Mitte und veranstaltete einen ersten China-Abend.

1,3 Milliarden Menschen leben in China. Das allein wäre schon ein ausreichender Grund, Chinesisch zu lernen. Es gibt aber noch etliche andere Motive, sich mit Sprache und Kultur des bevölkerungsreichsten Landes der Erde zu befassen. "China spielt wirtschaftlich und politisch eine immer gewichtigere Rolle", sagt Dr. Cord Eberspächer, Direktor des Konfuzius-Instituts Düsseldorf. "Die Investitionen besonders in Nordrhein-Westfalen wachsen rasant. Die Chinesen werden Arbeitsgeber." Außerdem sind mehr als 5000 deutsche Unternehmen in China vertreten. All das ist Grund genug für das Gymnasium am Geroweiher, um seinen Schülern Möglichkeiten des Spracherwerbs und des Kontakts nach Ostasien zu eröffnen.

Deshalb hatte die Schule jetzt zu einem ersten China-Abend mit Infos, Bildern und einem sprachlichen Crash-Kurs eingeladen. Bereits seit zwei Jahren bietet das Gymnasium eine Chinesisch-AG an. Momentan büffeln 15 Schüler unter der Leitung von TongTong Freitag chinesische Schriftzeichen, Grammatik und Vokabular. "Die fremden Schriftzeichen machen es schwierig für die Schüler", weiß die Chinesischlehrerin. "Aber wenn sie die Grundlagen durchschaut haben, geht es immer schneller voran."

Eine Schülerin hat es bereits sehr weit gebracht in der für Europäer so fremden Sprache: Gesa Keller besucht die Oberstufe des Gymnasiums am Geroweiher und lernt seit sechs Jahren Chinesisch am Konfuzius-Institut in Düsseldorf. Dreimal war die 15-Jährige schon in China. "Ich kann mich inzwischen ausdrücken und verstehe, was die Leute sagen", erklärt sie. Am schwierigsten sei das Schreiben. Gesa Keller hat zwei Sommercamps und einen zweimonatigen Schüleraustausch hinter sich. "Ich habe so viel über China gelernt, aber auch viel über mich selbst", sagt die Oberstufenschülerin.

Ursprünglich habe sie die Sprache interessiert, inzwischen finde sie die Menschen und ihre Lebensart ebenso faszinierend. "Es ist eine Welt, die unserer ähnelt und die trotzdem so ganz anders ist", erklärt Gesa Keller, die besonders das chinesische Essen liebt. Lustig seien immer wieder die Momente, wenn man heimlich fotografiert werde oder die Kinder fasziniert auf das europäische Gesicht starrten. "Man fällt in China als Europäerin auf", stellt sie fest. So reizvoll der Aufenthalt in China war, sie hat auch das Leben in Deutschland schätzen gelernt. "Ich bin dankbarer geworden", sagt Gesa.

Die Möglichkeit, China aus erster Hand kennenzulernen, will das Gymnasium am Geroweiher auch anderen Schülern und ebenfalls Lehrern eröffnen. "Wir konnten über die Wirtschaftsförderung einen Kontakt nach Suqian herstellen und möchten sowohl einen Schüler- als auch einen Lehreraustausch in Gang bringen", erklärt Schulleiter Dr. Christian Dern. Außerdem werde überlegt, Chinesisch als Lehrfach in der Mittel- oder Oberstufe einzuführen. Mit diesen Plänen bewegt sich das Mönchengladbacher Gymnasium in eine Richtung, die der Direktor des Konfuzius-Instituts für zukunftsweisend hält.

"Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher", stellt Cord Eberspächer fest. "Es ist sinnvoll, an einer weiterführenden Schule pro Stadt Chinesisch als zusätzliche Fremdsprache anzubieten." Von ebenso großer Bedeutung sei die persönliche Begegnung. "Es ist wichtig, die Gemeinsamkeiten zu entdecken", sagt der Sinologe aus Düsseldorf.

(RP)