Schwalmtal/Mönchengladbach: Amokschütze: Dauerhaft in die Psychiatrie

Schwalmtal/Mönchengladbach : Amokschütze: Dauerhaft in die Psychiatrie

"Die Strafe gerät faktisch zur Nebensache", erklärte Richter Lothar Beckers in seiner Urteilsbegründung für Hans P. 15 Jahre Haft und sofortige Unterbringung in der Psychiatrie, das ist die Strafe. Das Gericht hatte den Rentner des dreifachen Mordes und des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung für schuldig befunden.

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p class="text">Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich gefordert für den 72-Jährigen, der am 18. August 2009 für die Bluttat von Amern verantwortlich war. Er erschoss zwei Anwälte und einen Gutachter, verletzte einen weiteren Gutachter schwer. Er glaubte, seiner Tochter entstehe durch ein Komplott von Gutachtern und Anwälten ein Schaden, sie werde permanent "über den Tisch gezogen".

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p class="text">Die Unterbringung in der Psychiatrie — die Abstimmung darüber, wann und wohin Hans P. gehen muss, soll noch in dieser Woche erfolgen — ist eine Folge des Wahns, den die psychiatrischen Gutachter dem Rentner im Verfahren bestätigt hatten. Dass das Urteil nicht auf "lebenslang" sondern auf 15 Jahre lautet, liegt an der verminderten Schuldfähigkeit, die sich aus dieser Tatsache ergibt. Staatsanwalt Stefan Lingens hatte argumentiert, man könne zwar bei verminderter Schuldfähigkeit das Strafmaß herabsetzen, man müsse aber nicht.

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p class="text">Um trotzdem an der lebenslangen Strafe festhalten zu können, hätten besondere Gründe vorliegen müssen — Gefühlskälte und Reuelosigkeit könnten solche sein. Die hatte Lingens gesehen, die Kammer aber schloss sich seiner Auffassung nicht an. Gerade diese Gefühlskälte sei beim Angeklagten eine Folge seines Wahns, deshalb könne sie nicht strafverschärfend herangezogen werden, erläuterte Richter Beckers.

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p class="text">Das Urteil sei "nachvollziehbar", erklärte nach Prozessende auch Lingens. Selbst die Verteidiger zeigten sich "nicht unzufrieden", wie es Michael Rost, einer der beiden Pflichtverteidiger, formulierte. Ob man dennoch in Revision gehen wolle, ließ er offen. "Darüber müssen wir noch beraten." Der Angeklagte selbst hatte schon in seinem Schlusswort klar gemacht, dass er das Urteil für sich nicht akzeptieren könne. "Das war Unrecht, was Ihr hier getan habt", sagte er in Richtung des Richtertisches. "Dieses Schlusswort ohne Entschuldigung und Reue hat niemanden überrascht", kommentierte Beckers später.

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p class="text">Für Hans P. bedeutet das Strafmaß aber in jedem Fall ein "Lebenslänglich", auch daran ließ Beckers keinen Zweifel. In der Psychiatrie ist er zunächst auf Dauer untergebracht. Im Fünf-Jahres-Rhythmus können dort Gutachter bestellt werden, um festzustellen, dass von dem alten Mann keine Gefahr mehr ausgehe. Beckers zitierte aber in der Urteilsbegründung noch einmal den renommierten Gutachter Professor Norbert Leygraf, der Hans P. untersucht hatte: "Nach seiner Einschätzung bleibt der Angeklagte immer gefährlich."

Für Hans P. ist das Verfahren mit dem gestrigen Urteil beendet. Seine Tochter Barbara K. aber bleibt im Visier der Staatsanwaltschaft. "Das Verfahren gegen sie läuft", sagte Staatsanwalt Lingens, "bislang ist es uns nicht gelungen, Ihr Mitwisserschaft oder Beihilfe nachzuweisen, aber die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen." Unter anderem fehle noch ein Gutachten des Landeskriminalamts, in dem nach verwertbaren DNA-Spuren im Haus und auch an der Waffe gesucht werden solle.

(RP)
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