Mönchengladbach: Altstadt-Labor verkündet Botschaften

Mönchengladbach : Altstadt-Labor verkündet Botschaften

Neue Restaurants, eine bessere Gestaltung, Künstler – die Gladbacher Altstadt wandelt sich. Das Schmuddel-Image hat sie verloren. Dafür gesorgt haben unterschiedliche Interessengruppen, die vor allem eines eint: Sie haben gute Ideen.

Wenn sich Gladbacher über ihre Altstadt unterhalten, gibt es oft zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen: Die einen erzählen von den glanzvollen Zeiten in den 1960er und 1970er Jahren, als es mehrere Szenetreffs gab und viele ihre Jugendzeit auf dieser Amüsiermeile verlebten. Und dann die anderen, die diese Zeit mit den entsprechenden Erinnerungen nicht kennen und die eine Altstadt sehen, die dreckig und verkommen wirkte.

Szenen aus der Gladbacher Altstadt: Im Altstadtlabor werden neue Ideen für die einstige Amüsiermeile entwickelt. Sie war in den 1960er bis 1985er Jahren sehr beliebt und belebt. Das hat abgenommen. Aber es gibt zahlreiche nette Ecken in der Altstadt, die auch das Theater für Kunst nutzt. Foto: Baum/Müller-Brinkmann/Silke Molitor (2)/Stutte/Kn

Beide Sichtweisen sind überholt. Die Glanzzeiten der Altstadt sind vorbei, und sie werden in dieser Weise auch nicht mehr zurückkehren. Das liegt mit daran, dass sich das Freizeitverhalten der Menschen komplett verändert ist. Aber – und das ist die schöne Entwicklung – die Altstadt legt auch immer mehr ihr Schmuddel-Image ab. Dass dies gelingt, ist – und das ist wiederum das Interessante am Prozess – nicht darauf zurückzuführen, weil Stadt oder private Investoren viele Millionen Euro in die Altstadt pumpen. Nein, sie verändert sich, weil es mehrere Interessengruppen gibt, die sich in einer Altstadt-Initiative zusammengefunden haben und mit den Anwohnern einen schrittweisen, sanften Wandel vollziehen. Und das, ohne gleich nach viel Geld zu schreien – das bei der klammen Stadtkasse ohnehin nicht da ist.

Szenen aus der Gladbacher Altstadt: Im Altstadtlabor werden neue Ideen für die einstige Amüsiermeile entwickelt. Sie war in den 1960er bis 1985er Jahren sehr beliebt und belebt. Das hat abgenommen. Aber es gibt zahlreiche nette Ecken in der Altstadt, die auch das Theater für Kunst nutzt. Foto: Baum/Müller-Brinkmann/Silke Molitor (2)/Stutte/Kn

Diese Veränderungen sind bereits sichtbar. Es gibt mehrere sanierte Restaurants, Künstler siedelten sich an, der Grünewald-Platz ist entrümpelt und neu gestaltet. "Es ist einiges passiert, was deutlich erkennbar ist", sagt Martin Platzer, der Altstadt-Kümmerer. Bei der Wirtschaftsförderung (WFMG) ist der 33-jährige Kulturpädagoge für die Altstadt zuständig und koordiniert unterschiedliche Aktivitäten. Platzer ist das Bindeglied zwischen den Stadttöchtern EWMG und WFMG sowie dem Altstadt-Labor mit unterschiedlichen Interessengruppen.

Doch auch wenn, wie derzeit, neue Veränderungen nicht immer stark sichtbar werden, passiert doch viel hinter verschlossenen Türen. "Wir arbeiten sehr konzentriert weiter", sagt Platzer. Dabei geht es vor allem darum, die großen und kleinen Errungenschaften so miteinander zu verbinden, dass alle Beteiligten, selbst wenn sie Kompromisse machen müssen, diesen Weg mitgehen: Da sind zum Beispiel die zahlreichen Anwohner, die ein Ruhebedürfnis haben und mehr Sauberkeit einfordern. Da sind die Wirte, die ihre Geschäfte machen wollen. Da sind die Kreativen, die dem oberen Teil der Waldhausener Straße eine besondere Note geben wollen. Da sind aber auch die vielen Menschen, die in der Altstadt Spaß haben und etwas erleben wollen. Platzer: "Wir schnüren für alle Interessen Pakete, die eine besondere Dynamik entwickeln sollen."

Mehrere Themen werden die nächsten Wochen beschäftigen. Das Altstadt-Labor arbeitet weiter daran, die Waldhausener Straße sauberer und sicherer zu machen. Dazu soll es ein Verkehrskonzept geben. Ideen sind reichlich vorhanden, doch die Initiative will ihr Planwerk erst dann vorstellen, wenn es fertig und umsetzbar ist. "Wenn wir jetzt bereits Einzelheiten vorstellten, würde manches sehr schnell zerredet werden", vermutet Platzer.

Nur soviel sickert durch: Das Altstadt-Labor strebt ein Kommunikationsnetz an, das eine andere Sprache sprechen will – weg von klassischen Verbotsschildern und hin zu Botschaften, die mit einem Augenzwinkern daherkommen und grafisch besonders aufbereitet werden. "Und die trotzdem sehr klar und strukturiert sind", verspricht Platzer. Eine Art "Erklär-Bär" – Fehler sind erlaubt, und wenn etwas nicht klappt, wird es verändert. Platzer: "Wir pflegen hier auch weiterhin bewusst den Labor-Charakter, von dem die Altstadt in diesem Veränderungsprozess bislang profitierte."

(RP)
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