Kolumne Denkanstoß: Alles neu macht der Mensch

Kolumne Denkanstoß: Alles neu macht der Mensch

Manchmal wundert man sich über sich selbst. So erging es mir, als ich das letzte Aprilkalenderblatt abriss, und mit dem neuen Monat mir diese Redewendung sofort in den Sinn kam.

"Alles neu macht der Mai" gehört zu den geflügelten Worten, die ein Eigenleben führen; sie haken sich in das Gedächtnis ein und sind zum rechten Anlass assoziativ sogleich zur Stelle. So musste ich erst nachschlagen, um mir in Erinnerung zu rufen, dass diese Zeile der Beginn eines Kinderliedes ist, doch sein Verfasser Hermann Adam von Kamp (1796-1867) war mir vollkommen fremd. Dabei war er nicht nur ein Schriftsteller, sondern auch Lehrer und Heimatkundler und lebte in unserer weiteren Nachbarschaft in Mülheim an der Ruhr.

Doch wieso ging sein Maienvers in das kollektive Gedächtnis ein, so dass man noch heute lesen kann, dass dieses Lied zum "lyrischen Kulturgut der deutschen Sprache" (Wikipedia) zählt? Es kann sicherlich nicht daran liegen, dass das preußische Schulamt vor dem Ersten Weltkrieg verfügte, dass dieses Gedicht in allen Schulbüchern für die zweite Klasse aufzunehmen sei. Vielmehr ist es H. A. von Kamp gelungen, eine Grunderfahrung von uns allen ins Wort zu bringen. Denn im Wechsel der Jahreszeiten erkennen wir ein Abbild unseres Lebenslaufes, und das Frühjahr ist Sinnbild des Neuanfangs, und der Mai wiederum ist Inbegriff des Frühlings. Alte Reflexe auf diese Sichtweise finden sich bis heute, so hat der "Frühjahrsputz" hier seinen Ursprung und auch die berühmten "Frühlingsgefühle" mögen hier anzusiedeln sein.

Es liegt wohl eine Ursehnsucht im Menschen, dass uns die Möglichkeit zu einem Neubeginn geschenkt ist. Denn natürlich gehört zu jedem Lebenslauf, dass Entscheidungen getroffen wurden, Handlungen erfolgten, die sich als Schuld, Fehler oder Irrtum erwiesen und die man revidieren, ja auslöschen möchte; man würde gerne einen Schlussstrich ziehen, damit man neu durchstarten kann.

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Doch selbst der schönste Mai kann Geschehenes nicht ungeschehen machen; was immer wir tun oder lassen, welche Entscheidungen wir auch treffen, immer gehört "alles" zu unserem Lebensweg und prägt uns. Aber auch am krummen Holz grünt der neue Spross, deshalb brauchen uns Umwege oder Nebenwege unseres Lebens nicht zu bekümmern, letztlich führen alle Wege zum Ziel! Wichtig ist nur, dass wir bei der nächsten Weggabelung die richtige Richtung wählen.

Und hier kann uns der Mai helfen! Seit alten Zeiten ist der Wonnemonat der Gottesmutter anvertraut, Maria will und wird uns gerne beistehen. Dabei ist ihr Rat seit der Hochzeit von Kana eigentlich gleich geblieben: "Was er euch sagt, das tut." Unter dem mütterlichen Blick Mariens mit Christus das Leben neu ausrichten, was für ein Neuanfang! Wenn wir uns darauf einlassen, dann wird sich eine wichtige Erfahrung bestätigen. Wo wir uns verändern, da verändert sich die Welt; und wie notwendig das ist, das erleben wir jeden Tag. Alles neu macht nicht der Mai, sondern der Mensch. Unter Gottes Führung mit frischem Schwung Altes hinter sich lassen und einen Neubeginn wagen, das allein "macht die Seele frisch und frei"!

KLAUS HURTZ IST PFARRER VON ST. MARIEN UND VOM TROSTRAUM ST. JOSEF, GRABESKIRCHE

(RP)
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