Serie Denkanstoss: Alles neu, macht der Mai

Serie Denkanstoss: Alles neu, macht der Mai

Bei der Zeitungslektüre kann einem schon das Lachen vergehen, doch kürzlich ließ mich die Formulierung einer Schlagzeile zunächst schmunzeln: "Die Zukunft war früher auch besser." Aber auch bei dieser Überschrift muss einem letztlich das Lachen im Hals stecken bleiben, beschreibt sie doch fast auf makabere Weise ein Grundgefühl, das bei vielen Zeitgenossen festzustellen ist. Eine diffuse Sorge, mitunter gesteigert bis zur Angst, wie viele Probleme und Fragen zu Beginn des dritten Jahrtausends auf uns lauern, um endlich beantwortet und gelöst zu werden. Die "Schlag"-worte sind hinlänglich bekannt, Globalisierung und Digitalisierung, Migration und Integration, mediale Vernetzung und Datensicherheit, Altersarmut, Klimawandel, Protektionismus, Pflegenotstand und vieles, vieles mehr.

Haben wir das Wissen, den Willen, die Kraft diese komplexen und komplizierten Herausforderungen anzugehen? Schon eine Rangfolge zu erstellen, scheint kaum möglich zu sein, alles ist gleich wichtig, gleich drängend. Doch ob wir mutig oder verzagt sind, eines sollte jedem bewusst sein, ein schlichtes "weiter wie bisher" ist nicht möglich. Wollen wir Zukunft gewinnen, dann müssen wir lernen, andere Wege zu gehen, Veränderungen zu gestalten und anzunehmen. Es versteht sich beinahe von selbst, dass ein solcher Veränderungsprozess weder an den Kirchentüren halt macht, noch zwischen evangelischen oder katholischen Türen unterscheidet. Auch wir Christen müssen uns den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen. Oder muss man nicht genauer formulieren, gerade wir Christen können sie annehmen und müssen mithelfen, sie zu lösen! Was das meint, dazu genügt ein Blick auf den Monat Mai.

Heute feiern wir "Christi Himmelfahrt", der Sohn kehrt heim zum himmlischen Vater. Damit ruft uns das Fest zu, jeder Mensch besitzt eine Würde, die alle irdischen Maßstäbe übersteigt. Daher kann Zukunft nur gelingen, wo diese Würde gehütet und beschützt wird, wo das Menschliche das Maß aller Dinge ist.

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Aber es bedeutet auch, dass wir unsere Entscheidungen und Handlungen vor Gott verantworten müssen; darüber Rechenschaft abzulegen haben, ob wir auch den Nächsten von Morgen, eben den kommenden Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen. In zehn Tagen feiern wir Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, der den ängstlichen Jüngern Mut und Kraft schenkte, voll Schwung und Freude gegen alle Widerstände die Frohe Botschaft des Lebens zu verkünden. Daher kann Zukunft nur gelingen, wo wir uns dem Geist Gottes öffnen, damit wir erfahren, dass wir in einer Ewigkeit geborgen sind, und deshalb im Hier und Jetzt das Leben füreinander einsetzen können. Der Volksmund sagt: "Alles neu, macht der Mai." Ob die Zukunft besser oder schlechter wird, das wissen wir nicht, aber ich weiß, es liegt an uns!

KLAUS HURTZ, PFARRER VON ST. MARIEN UND VOM TROSTRAUM ST. JOSEF GRABESKIRCHE

(RP)
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