Mönchengladbach: Afrika im Klassenzimmer

Mönchengladbach : Afrika im Klassenzimmer

Schauspieler und Filmemacher Anthony Thompson hat Kinder der Gesamtschule Volksgarten in eine exotische Fabelwelt entführt. Der gebürtige Ghanaer ist der dritte prominente Afrika- Experte an der Schule.

Es herrscht noch ausgelassenes Treiben im Klassenraum der 6b, als Anthony Thompson (61) das Zimmer betritt. Tische und Ranzen werden verschoben, die letzten Stühle werden in den vorgesehenen Sitzkreis integriert. Als der gebürtige Ghanaer sich schließlich mit einer imposanten, mit bunten Steinen verzierten Trommel Gehör verschafft, findet auch das letzte Gespräch zwischen den Bänken ein jähes Ende.

Thompson agiert interaktiv

Englischlehrerin Ute Schiffer (51) sowie 27 Schüler hören gebannt zu, als der Gast seine Stimme erhebt; nicht wenige scheinen vom nahezu fehlerfreien, fließenden Deutsch beeindruckt zu sein. Nach Bürgerrechtler Dennis Goldberg und Autor Lutz van Dijk ist Thompson das dritte "Gesicht Afrikas" an der Gesamtschule. Mithilfe des Programms soll den Kindern die afrikanische Kultur nahegebracht werden. Thompson lebt und arbeitet seit 1974 in Deutschland – gegenwärtig wohnt der Regisseur, Schauspieler und Filmemacher in Bonn.

Unter dem Motto "In Afrika wird nicht nur getrommelt" nimmt Thompson das junge Publikum auf eine faszinierende Reise in die Fabelwelt Afrikas mit. Anhand von Geschichten, Tänzen, Klatschrhythmen, Trommeln und Gesang ermöglicht der Afrikaner ein abwechslungsreiches, interaktiv gestaltetes Programm. So erzählt er unter anderem das traditionelle Märchen von Afyu, einem jungen Mädchen, das von ihren bösen Pflegeeltern auf eine gefährliche Wanderung geschickt wird. Afyu jedoch trotzt tapfer allen Gefahren, bevor sie schließlich reich beschenkt ins Dorf zurückkehrt. Die Pflegeeltern erhalten die verdiente Strafe, Thompson verweist auf die Moral der Geschichte: Gerechtigkeit.

Immer wieder untermauert er seine Erzählungen mit musikalischen Elementen, vorgeführt auf der "Talking drum", der "sprechenden Trommel". Die anfänglich schüchternen Kinder der Gesamtschule verlieren ihre Scheu, begeistert probieren sie sich selbst am exotischen Instrument aus. Konzentriert versuchen die Freiwilligen Laura, Björn, Cassandra und Sven die vorgegebenen Takte nachzuspielen, "Gar nicht so einfach", wie der Elfjährige Björn findet. Nach anfänglichem Zögern wollen plötzlich fast alle Kinder vor der Klasse trommeln, die knapp bemessene Zeit neigt sich jedoch dem Ende zu. "Und jetzt findet euch zu zweit zusammen!", Thompson fordert alle Schüler auf, sich zu erheben und gegenüberzustellen.

Ein simpler Rhythmus wird vorgegeben, kurz darauf bebt das ganze Klassenzimmer. Für diesen Moment ist tatsächlich ein Hauch Afrikas zu vernehmen. Als das kurze Zwischenspiel abebbt, verschafft der Ghanaer sich erneut Gehör. Abschließend soll die Möglichkeit für offen gebliebene Fragen und Antworten geboten werden. "Gibt es die Schulpflicht in Ghana?", "Ist für ausreichend Trinkwasser gesorgt?", dies sind nur einige der zahlreichen Fragen. Thompson nimmt sich Zeit und beantwortet den Wissbegierigen die Fragen ausführlich, zeigt die Unterschiede zur westlichen Welt auf.

Neue Denkanstöße

Als die Schulglocke läutet, bleiben alle respektvoll auf ihren Stühlen sitzen. Anthony Thompson wird verabschiedet, die Schüler scheinen durch neue Denkanstöße beeindruckt. Die Veranstaltung wurde von der Exile-Kulturorganisation aus Essen organisiert und von mehreren Bundesministerien finanziert. Und während der Gast lächelnd seine Tasche packt, laufen die Schüler der 6b in die wohlverdiente Pause.

(RP)
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