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Mönchengladbach: Ärztekritik an Fortbildung

Mönchengladbach : Ärztekritik an Fortbildung

Im Oktober hatte der Chef der Sozial-Holding, Helmut Wallrafen-Dreisow, die ärztliche Betreuung in Pflegeheimen kritisiert. Nun boykottierten Ärztevertreter einen Vortrag von ihm. Die Wahl des Referenten sei ein Affront.

Noch immer herrscht Empörung bei Funktionären der Mönchengladbacher Ärzteschaft. Sowohl der Vorstand der Ärztekammer als auch jener der Kassenärztlichen Vereinigung in Mönchengladbach blieben am Donnerstagabend der Fortbildungsreihe "Kontinuierliche Internistische Fortbildung" des Krankenhauses Bethesda fern. "Die verantwortlichen und gewählten Vertreter der Gladbacher Ärzteschaft haben die einseitige Referentenauswahl als Affront und Vorabparteinahme gewertet", erklärte Dr. Arno Theilmeier, Gastroenterologe und Vorsitzender der Bezirksstelle Gladbach der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, unserer Zeitung. "Man hätte seitens des Veranstalters eine geschicktere Lösung wählen und zum Beispiel einen externen Referenten einladen sollen." Damit zielt Theilmeier auch auf den Gastgeber, Privatdozent Dr. Johannes Grossmann.

Knapp 25 Minuten sprach Helmut Wallrafen-Dreisow, der Geschäftsführer der städtischen Sozial-Holding, vor 50 Zuhörern zum Thema "Ärztliche Versorgung in Altenheimen — ein offener Dialog". Danach stellte er sich über eine Stunde Fragen von Ärzten, Apothekern und Pflegedienstpersonal.

Seine im Oktober publizierte harsche Kritik an der Mönchengladbacher Ärzteschaft wiederholte er diesmal nicht. Oft blieb der Referent an diesem Abend im Vagen; immer wieder warb er um Verständnis und bessere Kooperation der Beteiligten zugunsten der Altenheimbewohner.

Im Herbst hatte der Chef der Sozial-Holding die Ärzte frontal angegriffen. Wallrafen-Dreisow bemängelte insbesondere die "fehlende Abstimmung zwischen Haus- und Facharzt" bei der Betreuung von Patienten in Pflegeheimen. Zudem kritisierte der Chef der Sozial-Holding: Die Verordnungen vieler Ärzte in Pflegeheimen würden ohne hinreichende Analyse als Dauermedikation erfolgen. Die Folge der Übermedikation seien unter anderem Schwindelgefühle und gehäufte Stürze der Bewohner.

Prompt wurde Wallrafen-Dreisow von Dr. Heribert Hüren, dem Vorsitzenden der Ärztekammer Nordrhein, und Dr. Arno Theilmeier in einem offenen Beschwerdebrief aufgefordert, "die laienhaft-unqualifizierten und anmaßenden Äußerungen bezüglich ärztlicher Verordnungen in Pflegeeinrichtungen in den Medien zu unterlassen". Andernfalls drohten die Ärzte mit rechtlichen Schritten.

"Ich weiß nicht, was Sie erwartet haben, als Sie heute Abend hierhin kamen. Aber was mir wirklich am Herzen liegt, ist der Dialog", versicherte Wallrafen-Dreisow den Zuhörern im Bethesda-Krankenhaus. "Es ist nicht die Verantwortung einer Institution, dass es den Bewohnern im Pflegeheim gut geht. Sondern es funktioniert nur mit Kooperation. Wir dürfen nicht den Fehler machen, uns auseinander zu dividieren." "Absolut beschämend", da zu niedrig, nannte Wallrafen-Dreisow die "jetzige Pauschale für den Hausarztbesuch" und forderte dazu eine umfassende Reform.

Auf Anfrage erklärte Arno Theilmeier (Kassenärztliche Vereinigung), dass dieser Themenkomplex auf der nächsten Kommunalen Gesundheitskonferenz am 2. Mai auf der Agenda stehe.

(fae)