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Mönchengladbach: Ärzte retten Timoteos Bein

Mönchengladbach : Ärzte retten Timoteos Bein

Bei einem Autounfall brach sich Timoteo Hilario Mussumari Cabeia (12) den Unterschenkel. Die Wunde entzündete sich. In seiner Heimat Angola konnten Ärzte dem Jungen nicht mehr helfen. Eine Amputation drohte. Dank Behandlung im Krankenhaus Neuwerk kann er wieder lachen.

Timoteo hat einen Traum. Bauingenieur möchte er später einmal werden, sagt der zwölfjährige Junge. Davon ist er allerdings noch weit entfernt. Erstmal muss er buchstäblich wieder auf die Beine kommen. Gestern haben Experten um den Chefarzt der Unfallchirurgie im Krankenhaus Neuwerk, Dr. Wolfgang Cleuvers, Timoteos rechten Unterschenkel zum wiederholten Male operiert. "Nach derzeitigem Stand gehen wir davon aus, dass Timoteo mit kleinen Einschränkungen wieder laufen wird", sagt Cleuvers.

Timoteo hatte einen Unfall in seiner Heimat Angola. Auf dem Schulweg wurde er von einem Auto angefahren, brach sich dabei den Unterschenkel. Das Gesundheitssystem in dem südafrikanischen Land ist marode. Nur eine kleine Minderheit der knapp 18,5 Millionen Einwohner haben Zugang zu medizinischer Versorgung. Viermal operierten Ärzte Timoteo in Luanda, der Hauptstadt Angolas. Doch die Wunde heilte nicht richtig, eine Entzündung hatte zur Folge, dass sich das Wadenbein zum Teil auflöste. Die Amputation des Unterschenkels schien unausweichlich.

Doch Timoteo hatte Glück: Dank des Engagements der Kinderhilfsorganisation Friedensdorf in Angola konnte der Junge im rund 7000 Kilometer entfernten Deutschland behandelt werden. Das Krankenhaus Neuwerk kooperiert bereits seit Jahren mit der Hilfsorganisation. "Unsere Ziel ist, dass die Kinder in ihrer Heimat behandelt werden können", sagt Günter Wolf vom Friedensdorf. "Wir sind froh, dass solchen Extremfällen in Deutschland geholfen wird."

Damit Timoteo bald wieder laufen kann, setzt Chirurg Cleuvers auf eine spezielle Behandlung. Mittels einer Schiene, eines so genannten Ringfixateurs, soll das Schienbein des Jungen wieder zusammenwachsen. Die Schiene hat ein kleines Rädchen, an dem jeden Tag etwas gedreht wird. So soll der Knochen täglich um einen Millimeter wachsen. 20 Millimeter sind schon geschafft, mindestens weitere zwölf sollen folgen. "Das Verfahren ist nicht neu, wird aber selten eingesetzt", sagt Cleuvers. "Unser Ziel war es, das Bein zu retten und sicherzustellen, dass Timoteo es später wieder belasten kann." Die Behandlungskosten von mehr als 30 000 Euro übernehmen die St. Augustinus-Kliniken, Träger des Krankenhauses Neuwerk.

"Mir geht es gut, ich fühle mich hier sehr wohl", sagte Timoteo gestern – sichtlich beeindruckt von den Reportern, die plötzlich an seinem Krankenbett auftauchten. Die Dolmetscherin Rachel Schmitz wies darauf hin, dass der Junge "sehr sensibel und gläubig" sei. Das helfe ihm, die Zeit im Krankenhaus durchzustehen.

Viel von Deutschland hat der junge Angolaner noch nicht gesehen. Vom Flieger ging es direkt in die Klinik. Wenn alles nach Plan läuft, wird er zum Ende des Jahres entlassen. Dann kommt Timoteo zur Reha ins Friedensdorf nach Oberhausen – und seinem Traum ein Stückchen näher.

(RP)