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Mönchengladbach: Ärger um eine Zufahrt

Mönchengladbach : Ärger um eine Zufahrt

Der Neubaukomplex mit Supermarkt, Arztpraxen und Wohnungen an der Viersener Straße sorgt bei Anwohnern für Irritationen: Viele Autos sollen über die verkehrsberuhigte Bebericher Straße fahren - im ersten Entwurf war das noch anders.

Das neue Wohngebiet am Wasserturm, bei dem zwischen Viersener und Bebericher Straße Wohnungen, Arztpraxen und Supermarkt entstehen sollen, hat viel Lob erhalten. Auch von Nachbarn an der Bebericher Straße, die aber mit einem Punkt im Bebauungsplan nicht einverstanden sind und diesen Einwand auch in einer Stellungnahme an die Stadt gemeldet haben: Die Anwohner kritisieren, dass die Tiefgarage mit 95 Stellplätzen über die eigentlich verkehrsberuhigte Bebericher Straße angefahren werden soll. Die rund 50 oberirdischen Stellplätze wiederum für den Supermarkt sollen von der Viersener Straße angefahren werden. "Dieses Projekt ist ein großer Gewinn für die ganze Umgebung. Aber warum soll die Tiefgarage nicht auch von der Viersener Straße aus befahrbar sein?", fragt Günter Kaiser, der gemeinsam mit einigen Nachbarn die Einwände erhoben und in der Umgebung Unterschriften gesammelt hat. Rund 200 seien zusammen gekommen.

Die Ansicht von der Bebericher Straße: Die Mauer wird abgerissen, dort entstehen Häuser - und die Zufahrt zur Tiefgarage. Foto: Andreas Gruhn

Die Bebericher Straße ist seit dem Jahr 2004 eine Tempo-30-Zone. Begründung damals: Erhöhung der Sicherheit, Schutz der Anwohner vor Emissionen. Begegnungsverkehr ist auf der recht engen Straße nur sehr eingeschränkt möglich. Entweder im Schritttempo, "oder aber ein Fahrzeug muss bis zur nächsten Parklücke zurücksetzen", sagt Anwohner Oliver Maubach. Das Verkehrsgutachten geht in dieser Straße von rund 600 Fahrzeugbewegungen am Tag zusätzlich aus. Für die Stadt ist dies laut Bebauungsplanentwurf auch kein Problem, wie die Planer etwas verklausuliert andeuten: "Auf Grund der derzeit relativ geringen Verkehrsbelastung auf der Bebericher Straße werden für diese Straße ebenfalls keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs erwartet." Bei der Ausfahrt für den Supermarkt, die zur Viersener Straße führt, sind sie sich hingegen ganz sicher: "Für den Ein- und Ausfahrtbereich an der Viersener Straße ergibt sich eine gute Leistungsfähigkeit. Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes in der weiteren Umgebung des Plangebiets sind nicht zu erwarten."

Das sehen die Anwohner, die die Einwände erhoben haben, naturgemäß etwas anders: "Die bisherigen Planung führt zu erheblichen Belastungen des Umfeldes Bebericher Straße, und zwar in Bezug auf die Verkehrssicherheit, das Verkehrsaufkommen, den Lärm und die Luftqualität." Zumal die Straße von vielen Schülern der Marienschule und der Vitusschule als Schulweg genutzt werde. Auch ein Walking Bus sei dort jeden Tag unterwegs. Überdies habe es keine Verkehrserhebung gegeben, die klarstellt, wie viele Autos im Moment über die Bebericher Straße fahren. Die Viersener Straße hingegen könne diese 600 Fahrbewegungen doch problemlos aufnehmen, sagt Kaiser.

Was die Anwohner aber am meisten irritiert: Im ersten Bebauungsplanentwurf von 2015 lagen die Zufahrten noch ganz anders. Damals sollten alle Fahrzeuge über die Viersener Straße auf das Areal fahren, die Tiefgarage sollte eine ampelgesteuerte Zufahrt auf dem Komplex bekommen. Von der Bebericher Straße aus war nur eine Zufahrt zu fünf Stellplätzen vorgesehen. Das hat die Stadt geändert. Warum?

Die Planungen seien nach den damals eingegangenen Stellungnahmen noch einmal überarbeitet worden, teilte das Rathaus gestern mit. "Aus den bis dahin zwei Projekten (Bebauung Bebericher Straße und Bebauung Viersener Straße, inkl. Lebensmittelmarkt) wurde ein Projekt." Dadurch seien auch Änderungen des Verkehrs mit klarer Trennung zwischen den oberirdischen Kundenparkplätzen sowie der Anlieferung des Lebensmittelmarktes einerseits und den übrigen, den Wohnungen und Praxen zugeordneten Stellplätzen in der Tiefgarage andererseits erfolgt. Durch diese Trennung, stellt die Stadt fest, "ist die Verkehrssicherheit beider Straßen sichergestellt".

Die Anwohner haben inzwischen eine Antwort auf ihre Stellungnahme: Sie sollen ihre Einwände den Politikern im Planungs- und Bauausschuss vortragen.

(RP)