Mönchengladbach: Ähren sammeln, um Brot zu backen

Mönchengladbach: Ähren sammeln, um Brot zu backen

Aus Weizenmehl wurden Hefeknödel und aus Zuckerrüben Kraut gekocht.

Meine Mutter und ich gingen im Krieg Ähren sammeln, wenn die Felder abgeerntet waren. Wir blieben den ganzen Tag auf dem Feld und nahmen etwas zu essen mit. In einer Pause hatte meine Tante zwei Scheiben Brot und etwas Gelbes dazwischen, ich dachte, es wäre Käse. Ich bat meine Mutter, zu fragen, ob ich etwas davon haben könnte. Die Tante gab mir davon und die Enttäuschung war groß, denn sie hatte gekochte Kartoffeln zwischen den Brotscheiben.

Wenn wir eine Handvoll Ähren mit kurzem Stroh gesammelt hatten, wurde Stroh darum gewickelt und in einen Sack gesteckt. Wenn der Sack voll war, wurde er zuhause gedroschen. Das dauerte Stunden. Dann wurde die Spreu vom Getreide mit Hilfe des Windes getrennt, bis nur noch die Getreidekörner übrigblieben. Das Getreide wurde auf der Kaffeemühle gemahlen. Aus dem Roggenmehl wurde Brot gebacken, vom Weizenmehl Weißbrot gebacken oder Hefeknödel gemacht. Das war ein Festessen! Wenn meine Mutter drei oder vier Zuckerrüben ergattern konnte, wurden sie gewaschen und mit einer Bürste geschrubbt bis sie weiß waren. Sie wurden auf der Brotmaschine in Scheiben geschnitten und dann in Würfel, die solange kochten, bis wir eine Schüssel Rübenkraut hatten.

Wir Kinder aus Güdderath mussten zur Schule Wiedemannstraße. Nach ein paar Jahren wurde unsere Schule zum Lazarett erklärt. Von da an mussten wir, sechs Kinder in einer Klasse, nach Geistenbeck zur Schule, vier Kilometer entfernt. Dauernd kam Alarm, dann mussten wir da klingeln, wo wir gerade waren. Die Leute mussten uns in den Keller lassen. Bis Entwarnung kam, lohnte es sich nicht, in die Schule zu gehen.

Bei der Aufnahmeprüfung 1949 zur Handelsschule kam ein Diktat über Weinsorten von Rhein und Mosel. Ich war 15 Jahre alt, hatte noch nie Wein getrunken und bei uns Zuhause nie Wein gesehen. Das ging natürlich daneben. Die Prüfung habe ich trotzdem bestanden.

(RP)