Mönchengladbach: Abzocke per Lastschrift

Mönchengladbach : Abzocke per Lastschrift

Ein Betrüger hat unter dem Namen Petrus Egidius Knabben von Tausenden Konten insgesamt 1,7 Millionen Euro erbeutet. Auch in Gladbach hat er zugeschlagen. Jutta Schippers aus Rheydt hat es getroffen. Die Polizei ermittelt.

Wer auf seinem Kontoauszug den Namen Petrus Egidius Knabben liest, sollte vorsichtig sein. Ein Betrüger soll mit Lastschriften insgesamt 1,7 Millionen Euro ergaunert haben. Auch Gladbacher gehören zu den Betroffenen. Vor wenigen Tagen entdeckte Jutta Schippers auf ihren Kontoauszügen zwei seltsame Abbuchungen. Jeweils 19,95 Euro wurden innerhalb weniger Stunden von einem "Petrus Egidius Knabben" abgehoben, angeblich für eine "Mobile App", wie der Verwendungszweck verriet. Mobile Apps sind Anwendungsprogramme für Smartphones oder Tablet-Computer. "Ich habe weder ein App-fähiges Handy noch ein Tablet, und bestellt hatte ich auch nichts", sagt sie.

Mehrere Anzeigen bei der Polizei

Eine Nachfrage bei ihrer Bank ergab: Jutta Schippers ist nicht die Einzige, der aus unerklärlichen Gründen 19,95 Euro abgebucht wurde. Auch Polizeisprecher Willy Theveßen bestätigt, dass mehrfach Anzeigen eingingen. Sie wurden als Sammelverfahren an die Staatsanwaltschaft Osnabrück weitergeleitet. Denn in ihrem Zuständigkeitsbereich wurden die ersten Betrugsfälle bekannt.

Im Internet gibt es mittlerweile zahlreiche Warnungen vor der Abzockmethode. Auf den Fall aufmerksam geworden ist eine Bank in Lingen, die seit Mitte Februar vermehrt Rücklastschriften des Verdächtigen Knabben bemerkt hatte und die Staatsanwaltschaft kontaktierte. Seitdem wird gegen den 62-jährigen Niederländer mit dem Pseudonym Petrus Egidius Knabben und eine mutmaßliche 65-jährige Komplizin aus Amsterdam wegen Betruges ermittelt.

Beide stehen im Verdacht, Menschen in ganz Deutschland um Geld gebracht zu haben. Mittlerweile wurde ein Konto mit 1,7 Millionen Euro beschlagnahmt, auf dem die Lastschriftbeträge eingingen. Die Polizei geht davon aus, dass es Tausende Opfer gab. Die Ermittlungen dauern noch an. Wie die Betrüger an die Bankdaten kamen, ist noch nicht bekannt.

Auch Jutta Schippers kann sich nicht erklären, wie die Betrüger an ihre Kontodaten gelangen konnten: "Das Konto, von dem das Geld abgebucht wurde, ist kein sehr aktives. Da laufen keine Daueraufträge drüber, keine Versicherungen oder Ähnliches." Da sie die Abbuchungen schnell — innerhalb der Sechs-Wochen-Frist — entdeckte, konnte ihre Bank die Beträge sofort zurückbuchen. Und Jutta Schippers erstattete Anzeige bei der Polizei. "Ich habe inzwischen im Internet gelesen, dass die Banken den Geschädigten eine verlängerte Rückbuchungsfrist einräumen", sagt sie. Und sie ist sicher: "Es ist absolut wichtig, die Kontoauszüge Punkt für Punkt zu kontrollieren."

(RP/jco/url)