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Abwasser in Mönchengladbach wird jetzt auf Corona untersucht

Frühwarnsystem in der Pandemie : Abwasser in Mönchengladbach wird auf Coronaviren untersucht

Virus-Spuren lassen sich im Abwasser schneller nachweisen als mit dem Schnelltest. So ein Frühwarnsystem soll jetzt auch in Mönchengladbach etabliert werden. Was geplant ist und was das bringt.

Die Kläranlage in Neuwerk ist neuerdings eine Entnahmestelle für Abwasserproben, die dabei helfen sollen, ein Corona-Frühwarnsystem zu implementieren. Das teilte der Niesverband, der diese Kläranlage betreibt, jetzt mit. Hinter den Probenentnahmen, die zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von 24 Stunden am Zulauf der Anlage erfolgen, steckt ein Forschungsprojekt namens „Covid­ready“. Ziel davon ist es, praxistaugliche Methoden zu validieren und optimieren, die in gängigen Abwasserlaboren auf simple Weise die Virenlast quantifizieren können. Auch sollen Mutanten nachgewiesen werden können.

Schon vor dem Jahreswechsel hatten sich Stadt und Niersverband für ein Pilotprojekt zum Nachweis von Corona in Abwasser beworben, wurden aber nicht ausgewählt. Jetzt finden im Rahmen eines anderen Projekts doch Entnahmen in Neuwerk und Auswertungen der jeweiligen Proben im Labor statt. Denn beim Forschungsprojekt „Covidready“, das bis zum Frühjahr 2023 läuft, ist von fünf auf neun Monitoring-Standorte aufgestockt worden – und Neuwerk gehört dazu.

 Die Proben werden an der Kläranlage in Neuwerk genommen.
Die Proben werden an der Kläranlage in Neuwerk genommen. Foto: Niersverband
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Dass ausgerechnet das Abwasser untersucht wird, hängt damit zusammen, dass die meisten Menschen, die sich mit Corona infiziert haben, den Erreger mit ihrem Stuhl ausscheiden – auch dann, wenn sie keine Symptome haben oder diese erst noch entwickeln. So lassen sich Spuren des Virus mehrere Tage früher nachweisen, als dies mit einem Schnelltest möglich wäre. So können Trends – etwa die Ab- oder Zunahme von positiven Fällen – ebenso früher erkannt werden, wie die Verbreitung von bestimmten Corona-Varianten.

Die EU-Kommission hat daher bereits vergangenes Jahr empfohlen, Kostenpflichtiger Inhalt in allen Städten mit mehr als 150.000 Einwohnern abwasserbasierte Überwachungssysteme aufzubauen. Dazu gehört eine regelmäßige Probeentnahme sowie eine Meldung der Ergebnisse an die zuständigen Gesundheitsämter. Diese können dann anhand der Ergebnisse die Entwicklung verfolgen und werden dabei unterstützt, Entscheidungen zu Maßnahmen zu treffen. Bei „Covidready“ werden zudem Schnittstellen und Kommunikationswege zwischen der Wasserwirtschaft und dem öffentlichen Gesundheitsdienst aufgebaut.

„Neben dem Aufbau eines SARS-CoV-2 Frühwarnsystems ist es denkbar, die Forschungserkenntnisse künftig auch zum Nachweis anderer Viren im Abwasser weiterzuentwickeln“, sagt Sabine Brinkmann, Vorstand des Niersverbandes.

Info Das Verbundprojekt „Covidready“ wird vom Projektträger Karlsruhe betreut. Die Projektleitung bzw. -koordination unterliegt dem gemeinnützigen Forschungsinstitut für Wasserwirtschaft und Klimazukunft an der RWTH Aachen. Verantwortlich für die Aufbereitung und Analytik der anfallenden Wasserproben ist das Institut für Siedlungswasserwirtschaft (der RWTH Aachen. Weitere bisherige Projektpartner sind unter anderem das Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt, die Emschergenossenschaft/ Lippeverband, Kommunen und Gesundheitsämter.