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Mönchengladbach: Abteiberg-Hotel: Politik will Denkpause

Mönchengladbach : Abteiberg-Hotel: Politik will Denkpause

Drei Investoren wollen ein Hotel auf dem Abteiberg bauen. Am Donnerstag berät darüber der EWMG-Aufsichtsrat. Doch aus der Politik kommt vermehrt Kritik. Die CDU hinterfragt das städtebauliche Konzept, die FDP befürchtet eine "Bettenburg".

Der Aufsichtsrat der Stadttochter EWMG tagt am Donnerstag. Auf der Tagesordnung steht dann auch der geplante Hotelbau auf dem Abteiberg. Doch es ist unwahrscheinlich, dass sich das Gremium auf einen der drei vorliegenden Investorenmodelle einigt: Die CDU sieht die Hotelpläne zunehmend kritisch und plädiert für eine Denkpause und eine neue städtebauliche Betrachtung.

Das alte Haus Zoar soll einem Hotelbau weichen. Doch diese Pläne werden zunehmend kritisch bewertet. Foto: Raupold, Isabella (ikr)

Und auch die FDP hat Bauchschmerzen: Sie hat bereits einen Antrag für den Bau- und Planungsausschuss im September vorgelegt, in dem zwar ein Hotelbetrieb befürwortet wird, aber eine "Bettenburg" unbedingt verhindert werden soll. Die Liberalen wollen, dass Konzepte, Pläne, Kaufpreis und Betreiber-Status gezielt vom Rat bewertet werden, ehe eine Entscheidung fällt.

Seit der Gladbacher Architekt Dr. Horst Schmitges mit der Art'otel-Gruppe das rund 2000 Quadratmeter große Grundstück des alten Haus Zoar als Hotel-Standort entdeckte, wird das Thema immer wieder neu gespielt. Art'otel sprang ab, die Ibis-Gruppe fand nicht die Zustimmung des EWMG-Aufsichtsrats. Jetzt sind drei Modelle in der engeren Wahl: 1. Wieder Dr. Schmitges mit einem anderen Investor, 2. Peter Jost vom Hotel Elisenhof mit dem langjährigen Dorint-Chef Ben Lambers und 3. Hampton by Hilton aus der Hilton-Gruppe. Der CDU gefielen Pläne und Konzept des Duos Jost/Lambers gut, die EWMG-Spitze scheint mehr zur Hilton-Gruppe zu tendieren. Allerdings sieht dieses Konzept vor, dass die Zufahrt der Gäste teils über das Gelände von Haus Erholung führt — und das wird kritisch bewertet.

Die Christdemokraten sind unsicher, ob der Zug in die richtige Richtung fährt. "Das ist Städteentwicklung nach dem Zufallsprinzip", sagt ihr planungspolitischer Sprecher Hans-Wilhelm Reiners. Dies vor allem vor dem Hintergrund, weil mit den ersten Hotelplänen dieser Weg ganz konsequent weiter beschritten wird, ohne dass dies aus städtebaulicher Sicht einmal hinterfragt wird. "Wäre die erste Idee ein Wellness-Tempel gewesen, würden wir heute in Richtung Wellness planen" — so äußerten sich jüngst Politiker über das Vorhaben.

Der städtebauliche Aspekt erscheint auch deshalb in einem neuen Licht, weil mit dem Bau des Arcaden-Einkaufscenters, der Abbindung der Stepgesstraße, der leicht verschwenkten Abteistraße und der Neugestaltung des Platzes vor dem Sonnenhaus große Veränderungen bevorstehen. Daher wollen sich Politiker nicht jetzt bereits mit einem weiteren Vorhaben festlegen, ohne die Wirkung der bisherigen Projekte in ihrer tatsächlichen Strahlkraft zu kennen. Auch die Zukunft von Haus Erholung fließt da mit ein: Kann es in den nächsten Jahren als städtischer Veranstaltungsort gehalten werden oder muss es für die Erholung ein völlig neues Nutzungskonzept geben?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass es am Ende bei einem Hotel bleibt. Eine Formulierung im FDP-Antrag macht deutlich, was die Politiker ausschließen wollen: eine "Bettenburg" — ein sehr großer Baukörper, der nicht ins Umfeld passt.

(RP)