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Mönchengladbach: Abschied nach Familiendrama: Mordopfer beerdigt

Mönchengladbach : Abschied nach Familiendrama: Mordopfer beerdigt

Viele hundert Menschen gaben am Mittwoch den beiden Mordopfern des Familiendramas vom zweiten Advent in Niederkrüchten das letzte Geleit. Der Bürgermeister, der Pfarrer und der Vater der dreifachen Mutter aus Mönchengladbach hielten bewegende Reden. Längst nicht alle Trauergäste fanden einen Sitzplatz in der Pfarrkirche. Notfallseelsorger hielten sich in der Kirche und im Pfarrheim bereit.

"Nach dem vorletzten Sonntag ist in Niederkrüchten die Zeit stehen geblieben", sagte Bürgermeister Kalle Wassong in seiner Ansprache bei der Beerdigung der 45-jährigen Frau, die in Mönchengladbach aufwuchs, und ihres 17-jährigen Sohnes. Beide waren von dem 43-jährigen früheren Lebensgefährten der Frau aus Mönchengladbach getötet worden.

Der ehemalige Freund hatte die dreifache Mutter und ihren ältesten Sohn am 4. Dezember mit einer Pistole in ihrer Wohnung erschossen; anschließend richtete der Täter die Waffe gegen sich selbst. Die Polizei geht davon aus, dass er die Trennung nicht verwunden hat.

Wassong sprach im Namen des Stadtrates und aller Bürger der Gemeinde den Hinterbliebenen tiefstes Mitgefühl aus. Dass so viele Menschen an diesem Tag Solidarität zeigten, erfülle ihn aber mit Hoffnung.

"So ein Tod macht sprachlos und stumm", sagte Pastor Alexander Schweikert vor der Trauergemeinde. Auch er ringe nach einer Erklärung und nach einer Antwort auf die Frage "Warum?". Einfachen Trost gebe es nicht. Auch der Glaube sei kein Medikament, das man schlucke - und dann werde alles anders. Der Glaube könne aber Kraft geben, das Leben wiederzugewinnen. "Und das sind wir den beiden schuldig", sagte der Pastor. Der Tod habe der Familie und den Freunden Mutter und Sohn aus den Händen gerissen.

Bewegende Worte fand der Vater der Frau und Großvater des Jungen am Altar. "Eure Art, euer Wesen werden in den Echo-Kammern unserer Seelen weiterschwingen", sagte er. Er dankte seiner Tochter, "welch' großartigen Menschen ich lieben durfte". Sie habe den Eltern den Zugang zur klassischen Musik gebracht, habe Pferde und Fußball geliebt. Er wünsche, "dass ihr wohlwollend auf uns herabschaut, wenn wir hier unserem Alltag nachgehen."

Die Trauernden bat er, den Impuls, den sie durch die grausame Tat bekommen hätten, in ihren Herzen zu tragen und Frieden zu bringen bei Konflikten welcher Art auch immer. Ausdrücklich dankte er Polizei, Rettungsdienst, Seelsorgern, Feuerwehr, dem Weißen Ring, der Pfarrei, dem Pastor, den Schulen, dem Fußballverein und seiner Dienststelle.

(RP)