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Mönchengladbach: Abrissbirne gegen "Götterhimmel"

Mönchengladbach : Abrissbirne gegen "Götterhimmel"

Der Künstler Martin Lersch möchte das Andenken an seinen Großvater, den Dichter Heinrich Lersch, wach halten. Im September 2014 soll die Stadt dessen 125. Geburtstag würdigen. Für den Enkel ist es jedoch traurig, dass sein Wandbild "Götterhimmel" im Ex-Schauspielhaus wohl vernichtet wird.

Am 12. September 2014 jährt sich Heinrich Lerschs Geburtstag zum 125. Mal. Anlass für seinen Enkel Martin Lersch, das Andenken an seinen Großvater in Mönchengladbach wachzurufen. "Kulturdezernent Dr. Fischer hat mir seine Unterstützung zugesagt, und auch Museumschef Karlheinz Wiegmann ist einem Geburtstagsfest in Schloss Rheydt nicht abgeneigt", berichtet der in Goch lebende Martin Lersch. Der in Gladbach geborene Maler, Illustrator, Musiker und Zeichner porträtiert zurzeit nach alten Vorlagen seinen Großvater..

Der ewige Enkelsohn

"Die Gedenkfeier sollte so bescheiden sein, wie mein Großvater gelebt hat, aber genau an seinem Geburtstag", wünscht sich Lersch. Seine Ehefrau, die Mezzosopranistin Gesine van der Grinten, möchte dazu vertonte Gedichte von Heinrich Lersch singen. Und Heinrich Lerschs Sohn Edgar, der gerade 90 Jahre alt geworden ist, hofft zuversichtlich, "das Fest noch mitzuerleben". "Eigentlich", schmunzelt dessen Sohn Martin (57), "war ich immer der Enkel von Heinrich Lersch. Also von jemandem, den ich gar nicht gekannt habe. Das hat, besonders als Kind, genervt."

Heute ist der Enkel nicht weniger bekannt als sein Großvater. Martin Lersch stiftete seinen "Kreuzweg", 14 Variationen zum Leidensweg Jesu, der Pfarre St. Albertus. Zur Finanzierung des maroden Münsters ging er in der Münsterschatzkammer auf "Schatzsuche" und zeichnete künstlerisch verfremdete Porträts von sieben in der Schatzkammer vorhandenen Heiligen. Der Münsterbauverein verkaufte die signierten, handkolorierten Blätter.

Dem bedeutendsten in der Stadt vorhandenen Kunstwerk Martin Lerschs droht gleichwohl die Vernichtung: Es ist das 8,40 x 2,50 Meter große Wandbild "Götterhimmel" im alten Stadttheater an der Hindenburgstraße. "Das Bild habe ich 1994 mit Ölfarbe auf Gipsplatten aufgemalt", erinnert sich Lersch. Es war der damalige Kulturdezernent Dr. Busso Diekamp, der die gesammelten Spenden zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst Weihnachten 1993 für das Wandbild bestimmte. "Ich habe damals ganz bewusst diesen Ort ausgesucht, um die Bedeutung des Schauspielhauses zu unterstreichen", erinnert sich Diekamp. Ähnlichkeiten der gezeichneten Gestalten mit lebenden Personen sind nicht ganz zufällig: Der damalige Generalintendant Wolfgang Gropper ist als Göttervater zu sehen, Kulturamtsleiterin Bärbel Lenz als Minerva, der damalige Theater-Werbeleiter Willi-Friedrich Moog als geflügelter Götterbote Hermes.

Das alles weckt Erinnerungen, die mit der Abrissbirne ausgelöscht werden, wenn das Schauspielhaus abgerissen wird. Das ist erforderlich, wenn die Firma Mfi mit dem Bau der Mönchengladbach Arcaden beginnt. "Dass das Bild verschwindet, tut weh", sagt Diekamp. "Ich habe die Stadt gebeten, mir vor der Zerstörung wenigstens ein großes Foto meines damaligen Geschenks zuzustellen."

Das sagte Diekamps Nach-Nachfolger Dr. Gert Fischer zu: "Wir werden die Arbeit auf jeden Fall dokumentieren, also fotografieren lassen", versichert Fischer. Einen Ausbau des riesigen Wandbildes "Götterhimmel" indes sieht er als finanziell nicht realistisch an.

Was meint der Künstler Lersch dazu? "Die Vernichtung des Bildes ist bedauerlich und nicht richtig. Aber ich werde nicht dagegen angehen", sagte er der RP. Wichtiger ist ihm, dass es 2014 eine offizielle Würdigung des 125. Geburtstages seines Großvaters gibt.

Eine kleine Hoffnung bleibt: Finden sich Sponsoren für den Erhalt des Wandbildes, könnte mit dem Erwerber des Grundstücks über die Auslagerung des Kunstwerks vor dem Abriss des Schauspielhauses verhandelt werden.

(RP)