Mönchengladbach: Aachener Domchor beschenkt Gladbach

Mönchengladbach : Aachener Domchor beschenkt Gladbach

Zwei Chorwerke von Anton Bruckner, die Große Messe f-Moll und das Te Deum, führt der Aachener Domchor am 8. Februar in der Gladbacher Münsterkirche auf. Fast 100 Sänger, dazu Solisten und das Domorchester, wirken mit.

Am zweiten Februarsonntag steht ein kirchenmusikalisches Großereignis an. Dann setzt das Bistum Aachen sein geballtes kirchenmusikalisches Aufgebot vom Hohen Dom nach Gladbach in Bewegung, um in der zweitwichtigsten Kirche der Diözese, der Münsterbasilika St. Vitus, ein Klangfest aufzuführen.

Auf den Besuch des ältesten deutschen Knabenchores, der auf die Hofschule Kaiser Karls des Großen zurückgeht, freuen sich Münsterkantor Klaus Paulsen und sein Kollege, Domkapellmeister Berthold Botzet, gleichermaßen. "Wir erhalten ein Geschenk, über das wir sehr froh sind", betont der 57-jährige Münsterkantor Paulsen. Leiten wird das Konzert in der Münsterkirche am Sonntag, 8. Februar, 17 Uhr, Berthold Botzet (53), seit der Jahrtausendwende Domkapellmeister am Dom zu Aachen.

Das Gastspiel, bei dem zwei erhabene Meisterwerke Anton Bruckners (1824-96) aufgeführt werden, ist Ausdruck der engen Verbundenheit der beiden Bistums-Gemeinden. Bereits im Jahr 2007 hatte der Domchor im Münster St. Vitus die Matthäus-Passion gesungen. Der Münsterchor trat alsbald zum Gegenbesuch mit Bachs Magnificat in Aachen an. "Dieses Jahr wird der Austausch fortgesetzt", sagt Klaus Paulsen: Im September werden der Münsterchor und der Mädchenchor in Aachen die Vitusmesse von Rüdiger Blömer aufführen.

Die Idee zu dem Konzert mit Bruckners letzter Messe, 1867/68 für die Kapelle der Wiener Hofburg komponiert, kam aus Aachen. Botzet: "Das Domkapitel hatte diesen Vorschlag gemacht, als Nachklang der Heiligtumsfahrt vom vergangenen Jahr." Die Aachener kümmerten sich auch um Sponsoren, die für die Finanzierung sorgen. "Daher", so Botzet, "können wir uns erlauben, das Programm, ohne Eintrittsgeld zu erheben, aufzuführen." Was nicht ausschließt, dass Konzertbesucher eine angemessene Spende entrichten.

Die große f-Moll-Messe sei "spieltechnisch ganz schön kompliziert", sagt Berthold Botzet. Im 19. Jahrhundert habe sie anfangs sogar als "unspielbar" gegolten. Extrem schwierig gesetzt seien die Partien für die Solisten, insbesondere für den Solosopran und den Solotenor. Aber auch der Chor habe manche "harte Nuss zu knacken".

Der hohe Schwierigkeitsgrad betreffe auch das Orchester, doch das Aachener Domorchester spielt den Bruckner schließlich nicht zum ersten Mal. Was auch für das zweite Werk des Abends, Bruckners 1885 in Wien uraufgeführtes Te Deum, gilt. Dabei handelt es sich um die Vertonung des alten ambrosianischen Lobgesangs. "Bruckner, der Richard Wagner als einen der größten Komponisten überhaupt bewunderte, war vom Tod Wagners 1883 tief bewegt", erklärt Berthold Botzet. Dieses Empfinden habe die Gestaltung des Te Deum beeinflusst.

Vier Topsänger wurden für die Solopartien verpflichtet: Die Sopranistin Petra Hasse hat bereits unter Helmuth Rilling (Stuttgart) und Joshua Rifkin (USA) gesungen. Altistin Henriette Gödde aus Berlin ist Meisterklassenstudentin bei Christiane Junghanns an der Musikhochschule Dresden. Marcus Ullmann (Tenor) studierte in Dresden bei Hartmut Zabel und später in Berlin bei Dietrich Fischer-Dieskau. Aus Leipzig (wo er auch studiert hat) kommt Daniel Blumenschein (Bass).

(RP)
Mehr von RP ONLINE