Mönchengladbach: 90 Meter breites Bett für den Gladbach

Mönchengladbach : 90 Meter breites Bett für den Gladbach

Der Namensgeber der Stadt steht Pate für ein geplantes neues Wohngebiet in Lürrip. Auch ein Kindergarten, betreutes Wohnen und ein Quartiersplatz sind geplant. Der Haken: Der EWMG fehlt das Geld für den Abriss alter Reme-Hallen.

Noch sind es nur Baufelder, die nüchterne Bezeichnungen wie Reme-West und Reme-Ost haben. Und noch ist nicht bekannt, welche Häuser hier entstehen sollen und wie deren Architektur ist. Eines ist bereits klar: Die Stadtplaner haben gute Lösungen für das Reme-Gelände gefunden. Vier Varianten sind angedacht, und in jeder bekommt der Namensgeber der Stadt, der Gladbach, eine Sonderrolle: Bis zu 90 Meter breit soll ein Renaturierungsgebiet werden, durch das sich das Flüsschen schlängeln soll. Das hat nicht nur gestalterische Bedeutung: Die Fläche dient bei Starkregen als sogenannte Retentionsfläche, die Wasser aufnehmen soll. Die NEW, die für dieses Areal im Rahmen des gemeinsam mit dem Niersverband entwickelten Hochwasser-Masterplans "Niers" zuständig ist, wird das Gelände ähnlich ausbauen wie am Bungtbach.

Ende des Jahres soll das Rahmenkonzept für das Reme-Gelände fertig sein. Das jetzige Grobkonzept wird in den Sommerwochen von denjenigen verfeinert, die hier bereits wohnen oder sich künftig in dem neuen Wohngebiet niederlassen wollen: den Bürgern. Geplant sind mehrere Workshops. Ihre Anregungen fließen ein und sollen den Politikern helfen, sich am Ende für eine Variante zu entscheiden. Auch wenn die vier Entwürfe unterschiedliche kleinere Akzente setzen, gibt es einen gravierenden Unterschied: Zwei Varianten betonen stark den Charakter als Wohngebiet, zwei lassen dem Gewerbe einen größeren Platz. In der Bezirksvertretung Ost stellte Stadtplanerin Annette Pfennings allerdings klar, dass damit kein produzierendes Gewerbe gemeint ist: Die Dienstleistungsbranche soll hier die Gelegenheit bekommen, sich niederzulassen. Die 190 Meter lange Panzerhalle, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Briten und die Kantine sind dafür prädestiniert. Ansonsten soll großzügig abgerissen werden.

Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

Genau da liegt aber das Problem. Die EWMG hat vor fünf Jahren die Abrisskosten schätzen lassen: Auf 1,9 Millionen Euro schätzten die Gutachter sie. Tatsächlich hat die Stadttochter jährlich nur 400 000 Euro als Abriss-Budget. Unklar ist, wie und wann diese Deckungslücke geschlossen wird. Pfennings: "Ein zeitnaher Abriss ist deshalb aus Kostengründen nicht möglich." Unklar ist auch, wie mit dem Altlastenproblem auf dem Gelände umgegangen wird. An drei Stellen - das Gutachten der Umweltexperten erreichte die Stadt just an dem Tag, als die Bezirksvertretung Ost tagte - muss der Boden ausgekoffert werden, wenn gebaut wird. An einer nimmt die NEW Stadt und EWMG die Last ab - hier ist das Gladbach-Renaturierungsgelände.

Fest steht auch: Die Tafel bekommt dann neue Räume. Auch die Wagenhalle des Karnevalsverbandes muss vermutlich andernorts auf dem Gelände untergebracht werden. Zur Bahnlinie hin, wo der Gladbach sein neues naturnahes Bett bekommt, wird ein Wall aufgeschüttet und eine vier Meter hohe Lärmschutzwand aufgebaut. Und noch andere interessante Projekte sind eingeplant: ein Marktplatz an der Kirche, ein Kindergarten, ein Quartiersplatz und 30 Wohnungen für betreutes Wohnen.

(RP)
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