Mönchengladbach: 500 Radler starteten bei der Sternfahrt

Mönchengladbach : 500 Radler starteten bei der Sternfahrt

Auf einem zehn Kilometer langen Rundkurs machten die Fahrradfahrer auf sich aufmerksam.

Sven Kriems konnte sich einfach nicht dazu durchringen, viel Geld für ein modernes Liegerad auszugeben. Er wollte aber unbedingt wissen, wie es ist, auf so einem Gefährt unterwegs zu sein - und so baute sich der 40-Jährige kurzerhand seine ganz eigene Version. Der Rahmen besteht komplett aus unbehandelten mittelbraunen Holzlatten. Auch der Sitz mit der leicht geschwungenen Lehne ist aus Holz, die weiche Auflage ist ursprünglich ein Stück Böschungsmatte für Müllkippen. Mit seiner mittlerweile schon fünf Jahre erprobten Eigenkreation startete Kriems jetzt wie geschätzt 500 weitere Teilnehmer bei der ersten Mönchengladbacher Fahrrad-Sternfahrt - und zog einige Blicke auf sich.

"In Berlin habe ich regelmäßig an solchen Sternfahrten teilgenommen", erzählte der gebürtige Eisenhüttenstädter vor dem Start der gut zehn Kilometer langen Rundtour auf dem Harmonieplatz in Rheydt. Aus den umliegenden Stadtteilen waren die Radler alleine oder gleich Gruppenweise dorthin gefahren, Sven Kriems hatte sich in Geneicken einem Radlertross angeschlossen. Norbert Krause, Initiator der Aktion 200 Tage Fahrradstadt, war von Eicken aus zum Harmonieplatz geradelt. Gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) hatte er die Sternfahrt organisiert. "Wir wollen zeigen, wie vielschichtig die Gruppe der Fahrradfahrer ist", sagte er. Außerdem sei es doch mal interessant, über Straßen wie die Herman-Piecq-Allee zu radeln, die eigentlich nur den Autos vorbehalten sei. "Wir wollen die Radfahrer im Straßenverkehr sichtbarer machen", ergänzte der zweite Vorsitzende des ADFC, Dirk Rheydt. "Die Bedingungen für sie müssen verbessert werden."

Kinder, Erwachsene und Senioren versammelten sich am Startpunkt, abenteuerlustige Mountainbiker, zukunftsorientierte E-Biker, sportliche Rennradler, entspannte Hollandradler und Liegeradler wie Sven Kriems. Seit einem halben Jahr wohnt er in Mönchengladbach, "Beruflich bin ich Schreibtischtäter, da ist das Radfahren für mich ein guter Ausgleich", erzählte er. Auch die Pedelec-Fahrer Erika und Jochen Meyer aus Wickrath können sich einen Alltag ohne Radtouren nicht vorstellen. Bei der Sternfahrt seien sie dabei, "um darauf aufmerksam zu machen, wie interessant Radfahren ist", sagte Jochen Meyer. Viel zu oft fühlten sie sich als Radfahrer im Straßenverkehr unsicher, ergänzte er, "und ich würde gerne öfter mal auf einem schönen Radweg fahren können, auf dem keine Autos parken".

Bei der Sternfahrt hatte der 72-Jährige freie Bahn, dafür sorgte eine Polizeieskorte. Vom Harmonieplatz aus radelten die Teilnehmer über die Hauptstraße und die Theodor-Heuss-Straße, Richtung Bismarckplatz, über die Herman-Piecq-Allee, den Rheydter Ring - und zurück zum Harmonieplatz.

(naf)
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