400 Spinnen im Haus Erholung in Mönchengladbach bei Insektenausstellung

Insektenausstellung in Mönchengladbach : Wie es sich anfühlt, wenn eine Vogelspinne über die Hand läuft

Spinnen, Schnecken, Skorpione, Schlangen und Schaben: Im Haus Erholung in Mönchengladbach war die Insektenausstellung gut besucht. Wer mutig ist, durfte eine Spinne auf die Hand nehmen.

„Das ist total cool“, sagt Luca, als die Rote Chile Vogelspinne über seine Hand läuft: „Die ist so kuschelig. Ich hatte gedacht, sie fühlt sich eher stachelig wie ein Wildschwein an.“ Und tatsächlich: Die wenige Gramm wiegende, pelzige Spinne tastet sich mit ihren acht Beinchen behutsam über die Hand. Ihre zügigen Laufschritte fühlen sich so leicht an wie junge Kräuterblättchen, die beim Zupfen an den Fingern entlang gleiten. Kurz hält die Vogelspinne inne – sie füllt die gesamte Handfläche aus – und trippelt dann weiter auf den Unterarm ihres Betreuers Renaldo Neigert. „Diese Spinnenart ist sehr entspannt und lieb. Deswegen setze ich sie hier in unserem Streichelzoo für Kinder ein“, erklärt Neigert, der die Ausstellung verantwortet.

Sämtliche Tiere, die Neigert präsentiert, gehören ihm. Er kennt seine Spinnen gut genug, um zu wissen, wann sie keine Lust mehr darauf haben, Streicheltiere zu sein. Dann wechselt er sie aus. Die Kinder, die Körperkontakt zu den Tieren haben, reagieren ruhig und konzentriert. Die direkte Begegnung mit einem ungewohnten Wesen ist für sie ein Erlebnis, das haften wird. Natürlich wird der gemeinsame Auftritt im Foto festgehalten. Gespannt wartet Luca auf seinen Abzug, um ihn dann stolz der Großmutter zu präsentieren. „Selbst die Kinder, die vielleicht Angst vor Spinnen in ihrem Zuhause haben, verhalten sich hier ganz locker. Sie nehmen meine Vogelspinnen eher als Kuscheltiere wahr, weil sie größer und pelziger sind als die Exemplare daheim“, sagt Neigert.

Nicht alle Besucher zieht es in den Streichelzoo. Kleine und große Gäste sitzen vor einer Videowand und lassen sich anhand von Dokumentarfilmen über die Welt der Gliederfüßler aufklären. Andere Besucher sind Insekten-Profis auf der Suche nach Inspiration. Wie Thomas Diehl, der fasziniert vor einem Terrarium in die Hocke geht. „Es ist schon selten, vor allem auch solch große wirbellose Tiere aus unmittelbarer Nähe sehen zu können. Früher habe ich Stabheuschrecken gehalten, bis mir ihre Anzahl zu viel wurde. Sie vermehren sich nämlich ungeschlechtlich ständig weiter. Allerdings werde ich jetzt nach dieser Ausstellung noch einmal darüber nachdenken, ob ich mir nicht doch wieder welche anschaffe“, sagt der junge Mann.

Neben Vogelspinnen gibt es im Haus Erholung andere Spinnenarten und Insekten, Schnecken, Skorpione, Schlangen, Echsen und Schaben in ansprechend gestalteten Lebensräumen zu bewundern. Auch die nach Ausstellerangaben größte lebende Vogelspinne der Welt, die 25 Zentimeter große Theraposa blondi, ist vor Ort, wenn auch gerade nur ihr Allerwertester sichtbar ist. Mit dem Rest ihres massiven Körpers hat sie sich in ihre Baumhöhle zurückgezogen.

In Schaukästen warten präparierte Fledermäuse und Schmetterlinge darauf, entdeckt zu werden. Es ist eine sehr informative Ausstellung mit durchaus pädagogischem Anspruch, auf den Neigert Wert legt. Jedes Terrarium und jeder Kasten ist mit einem Text versehen, der über die Herkunft und den Lebensraum, die Fress- und Fortpflanzungseigenschaften sowie die Haltungsbedingungen der jeweiligen Tierart aufklärt. Entsprechend nutzen viele Großeltern mit ihren Enkeln und junge Familien diese für Mönchengladbach erste Gelegenheit, die exotischen Wirbellosen aus nächster Nähe kennenzulernen. „Wir sind mit der Resonanz an den beiden Wochenendtagen sehr zufrieden. Es kann also durchaus sein, dass wir wiederkommen“, sagt Renaldo Neigert.

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