Mönchengladbach: 3D-Fotos mit der frisierten Wasserwaage

Mönchengladbach: 3D-Fotos mit der frisierten Wasserwaage

Mit einer selbst gebauten Doppel-Kamera macht der Fotograf Alexander Gemmel spektakuläre 3D-Aufnahmen.

Die musternden Blicke sind Alexander Gemmel inzwischen vertraut, wenn er seinem Hobby nachgeht. Oft wird er auch angesprochen auf die Wasserwaage mit den Kameras, die er dabei hat. "Man lernt viele Menschen kennen", sagt er und ergänzt schmunzelnd: "Im Halbdunkeln dachte eine Frau sogar, dass ich ein Maschinengewehr in der Hand hätte."

Gefahr geht von seinem Hobby jedoch nicht aus, Gemmel ist Stereofotograf. Mit seiner Kamera macht er 3D-Bilder. Wie bei den Kinofilmen entsteht der Effekt, indem zwei leicht versetzte Bilder übereinander gelegt werden. Die Idee hat Alexander Gemmel zufällig in der Fotocommunity entdeckt, einem Online-Treffpunkt für Fotografen.

Dort stieß er irgendwann auch auf die Doppelkamera, mit der zwei Bilder gleichzeitig geschossen werden können. "Ein Bekannter hat sich mit Schubladenleisten ein Schiebesystem gebastelt", sagt Gemmel, der sich jedoch für das Modell mit der Wasserwaage entschied. Im Baumarkt kaufte er Alu-Winkel, im Internet zwei gebrauchte Kameras, auf die er anschließend ein 3D-Fotoprogramm installieren ließ. Nicht einmal 200 Euro habe die Ausrüstung gekostet, sagt Gemmel.

"Am Anfang musste ich die Bilder noch mit einer Kamera machen" Die Technik nennt sich Cha-Cha. Statt jeweils ein Foto mit zwei versetzten Kameras zu machen, werden dabei mit einer einer Kamera zwei versetzte Fotos geschossen. Wie beim gleichnamigen Tanz wird dabei ein Schritt zur Seite gemacht. "Das Wichtigste ist bei der Stereo-Fotografie, dass die Einzelbilder auf gleicher Höhe gemacht werden."

Oft schießt der Hobby-Fotograf daher mehrere Bilder und probiert anschließend am PC aus, welche sich am Besten montieren lassen. Der Effekt wird mit einer 3D-Brille sichtbar. Während im Kino die normale 3D-Technik verwendet wird, setzt Gemmel mittlerweile auf die Stereotechnik mit MPO's für 3D Fernseher und 3D Monitore und Anaglyphen, bei denen man die Bilder unterschiedlich einfärbt und übereinanderlegt.

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Wer ihm zuhört, merkt schnell, dass Stereofotografie mit viel Fachwissen verbunden ist. Auch er habe lange gebraucht, um die Technik zu beherrschen. Angefangen habe er daher zunächst mit dem Kreuzblick. Dabei versucht man zwei leicht versetzt geschossene Bilder durch Schielen übereinanderzulegen. "Den Blick habe ich auf der Toilette gelernt", sagt Gemmel lachend: "Ich habe immer auf zwei Fliesen gestarrt und versucht sie mit den Augen übereinanderzulegen."

Inzwischen trifft er sich mit Stereofotografen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Sie nennen sich "Stereotypen". Einmal im Jahr finden Community-Treffen statt, bei denen man gemeinsam auf Motivjagd geht. Alexander Gemmel träumt jedoch davon, irgendwann auch in New York oder Ägypten zu fotografieren, wo Wolkenkratzer und Pyramiden spektakuläre 3D-Effekte verheißen. "Mich lässt die Stereofotografie gar nicht mehr los. Ich habe die Kameras fast immer dabei".

Bald will sich der gelernte Maler und Lackierer mit seinem Hobby selbstständig machen. Er könnte sich vorstellen, 3D-Bilder auf Hochzeiten zu schießen. "Ich glaube, dass das ein Zweig ist, der Zukunft hat." 3D-Bilder von Braut und Bräutigam oder der Hochzeitstorte — das sei bestimmt "ein Erlebnis."

Seine Bilder zeigt Gemmel bei einer Ausstellung in Dresden und auf seiner Profilseite in der Fotocommunity: www.fotocommunity.de/fotograf/alex/1741526

(RP/ac)
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