3. Fuck up Night in Mönchengladbach

Mönchengladbach : Fuck up Night: Wie aus beruflichem Scheitern Chancen erwachsen

Vier „Gescheiterte“ berichteten

Zum dritten Mal veranstaltete Peter Godulla, die „Fuck up Night“. Seine Mission: „Wenn Ihr heute Abend rausgeht, seid Ihr mutig, inspiriert, leicht und fröhlich“. Er möchte den Menschen in der „auf Hochglanz polierten Leistungsgesellschaft“ zeigen, dass in beruflichem Scheitern eine Chance zum Neuanfang liegt. Es wird viel gelacht an diesem Abend. Schöner Scheitern halt.

Das Prinzip ist einfach: Bei Godulla melden sich Menschen, die beruflich gescheitert sind und ihre Lehren daraus gezogen haben. Sie sind bereit, auf einer Bühne darüber zu berichten und auch davon, wie sie die vermeintliche Niederlage in einen Gewinn verwandelt haben.Die Struktur des Abends sieht so aus: Die vier Redner haben sieben Minuten Zeit für ihre Darstellung und werden sieben Minuten lang vom Publikum befragt.

Jens Heuchemer, Marion Weiß, Garry Grey und Angel Martinez trauten sich am Mittwochabend auf die Bühne des Theater im Gründungshaus, wo die „Fuck up Night“ ausgetragen wurde. Allen Rednern gemeinsam war, dass sie viele Ausbildungen und Jobs absolviert haben, aus Interesse oder der beruflichen Not folgend. Irgendwann ging etwas gründlich schief, und eine Neuorientierung wurde notwendig. In diesem Moment bzw. kurz davor befanden sich die vier Redner.

Marion Weiß fiel aus dem Rahmen der Redner. Die studierte Bibliothekarin, Philosophin und Soziologin arbeitet jetzt im IT-Bereich. Ihr „Fuck up“ liegt an einer anderer Stelle: Vor einigen Jahren wurde bei ihr im Zusammenhang mit einer posttraumatischen Belastungsstörung das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Marion Weiß wusste auf hochintelligente und bewundernswert authentische Weise dem Publikum die Besonderheiten eines Menschen mit Asperger-Syndrom nahezubringen. Ihr Ziel für diesem Abend war es, um Verständnis zu werben für Menschen, die anders sind, die nicht die „Superkraft“ besitzen, ein „soziales Netzwerk“ aufzubauen. „Ich kann nicht interagieren“, sagte Weiß, „das hat natürlich Auswirkungen auf das Berufsleben.“

Heuchemer und Grey sind nun Coach und Trainer. Heuchemer hatte als solcher begonnen, als er 19 Jahre alt war. Doch statt dabei zu bleiben, machte er vieles andere, bis er ein Fitnessstudio gründete, bei dem er sich heillos verschuldete. Seine Botschaft: „Hört auf eure Intuition. Tut nur das, was Euch glücklich macht.“ Das mit der Intuition relativiert Grey. „Passt auf, wenn ihr aufgrund eurer Intuition handelt.“ Denn nicht jede Intuition ist ein echtes Bauchgefühlt. So lernt jeder Gescheiterte eine andere Lektion aus seinem Scheitern. Angel Martinez blieb auf sechsstelligen Ausgaben sitzen, weil sein Geschäftspartner ihn ausbootete. Auch er kam wieder auf die Füße, seine Lehre „Aufstehen und weitermachen“.

Die „Fuck up Night“ wird gesponsert von der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach, der NextMG, der Impress Media, der Tauglerei und DGS-Partner.

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