Gladbacher ist Initiator: 22-jähriger Jude erfindet "Schabbat@home"-Box

Gladbacher ist Initiator: 22-jähriger Jude erfindet "Schabbat@home"-Box

Mark Lektor aus Mönchengladbach will mit seiner "Schabbat@home"-Box junge Juden und Andersgläubige zusammenbringen. Wir erklären, was es mit dieser Box auf sich hat.

Zwei Flaschen Wein, Kerzen, einen schönen Trinkbecher und eine kleine Flasche Wodka. Wenn Mark Lektor mit diesen Dingen in einer schönen Obstkiste bepackt freitagabends klingelt, dann verspricht der Anblick einen lustigen Abend. Der wird es auch meistens — allerdings auf religiöse Weise.

Mark Lektor ist Jude und mit seiner "Schabbat@home"-Box möchte der 22-jährige Mönchengladbacher das Interesse anderer jüdischer und andersgläubiger Menschen am Judentum wecken. Der Wein und der Wodka sind natürlich koscher.

Im Mai 2016 kam Lektor auf die Idee zur Schabbat@home Box. "Vor allem als junger Mensch ist man in der heutigen Zeit auf der Suche nach Identität und Halt. Gespräche und der Glaube können bei der Suche nach Identität unterstützen", sagt Lektor im Gespräch mit unserer Redaktion. Laut Lektor gebe es jedoch vor allem in kleineren Städten wie Mönchengladbach keine großen jüdischen Gemeinden, in denen sich junge Juden untereinander austauschen können.

Also machte es sich der Mönchengladbacher zur Aufgabe, junge jüdische und nicht jüdische Menschen zueinander zu bringen. Das Prinzip hinter der Idee von Lektor, die gemeinsam mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinde von Nordrhein entstanden ist, ist einfach: Jüdische Gastgeber melden sich bei Lektor und buchen ihn für einen Freitagabend. "In der Regel handelt es sich dabei um den letzten Freitag im Monat, weil da die Ressourcen enger werden und man den Monat gut Revue passieren lassen kann", sagt Lektor. Den Kontakt zum Organisator finden die Gastgeber meist über soziale Netzwerke, Bekannte oder den Landesverband der jüdischen Gemeinden. "Bald wird es auch eine eigene Website geben", sagt Lektor.

Die Gastgeber laden dann rund zehn bis 20 Freunde und Bekannte ein. Von denen bringt am Schabbatabend jeder eine Kleinigkeit zu essen mit und Lektor sorgt mit seiner Box für den offiziellen jüdischen Rahmen.

  • Fotos : Das ist in der "Schabbat@home"-Box

In einer kleinen feierlichen Zeremonie wird der Schabbat dann gefeiert. Der fängt übrigens Freitagabend an und dauert bis Samstagabend. "Erstmal gehen die Frauen aus dem Raum heraus und zünden draußen Kerzen", erklärt Lektor das Prozedere. Die Kerzen dafür bringt Lektor ebenfalls mit.

Außerdem in der Schabbat-Box befindet sich koscheres Brot und ein kleines weißes Tischtuch. Mit dem Tuch wird das Brot bedeckt, in einen Becher wird koscherer Wein eingeschenkt und anschließend wird beides gesegnet. Anschließend wird noch ein Gebet gesprochen und der Schabbatabend beginnt. "In der Regel erzähle ich noch ein wenig von der vergangenen Woche oder dem Monat und rege damit mögliche Gesprächsthemen an", sagt Lektor. Alle Teilnehmer werden übrigens gebeten, ihre Handys auszuschalten und wegzulegen. "Es soll schließlich ein gemütlicher Abend sein, bei dem gegessen, getrunken und sich unterhalten wird", sagt der Gladbacher.

Meistens dauern die Abende von 20 bis etwa 24 Uhr. Lektor legt Wert darauf, dass ein solcher Abend nicht ausschließlich für Juden ist. "Vor allem der Austausch mit Andersgläubigen und das Unterhalten über verschiedene Religionen und Weltsichten bereichert einen Menschen doch", sagt der 22-Jährige.

Unterstützt wird er vom Geschäftsführer des jüdischen Landesverbandes Michael Rubinstein. Auch die Finanzierung des Projektes läuft zum Großteil über den Landesverband in Düsseldorf. Mit zwei Freunden führt er die Schabbatabende durch und organisiert sie. "Momentan werden wir vor allem in Mönchengladbach, Düsseldorf und Bochum gebucht. Wir wollen unser Angebot aber auf ganz NRW ausweiten", sagt der 22-Jährige, der auch Jugendzentrumsleiter der jüdischen Gemeinde in Mönchengladbach ist.

Die Box ist für den Gastgeber übrigens kostenlos. Wer Lektor und seine Freunde mit der Box ebenfalls für einen Schabbatabend zu sich einladen möchte, der kann sich beim Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein melden oder eine E-Mail schreiben. Telefonnummer: 0211 4691290 oder E-Mail: info@lvnr.de

(skr)
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