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Mönchengladbach: 150 Jahre: Das Huma feiert Jubiläum

Mönchengladbach : 150 Jahre: Das Huma feiert Jubiläum

Wenn Schüler ihre Freizeit opfern, um sich mit Feuereifer in Sütterlinschriften aus Archiven zu vertiefen, muss etwas Besonderes dahinter stecken. Schulgeschichte muss kein trockener Stoff sein, vor allem dann nicht, wenn auch illegale Wirtshausbesuche darin vorkommen. Auch vor einem Jahrhundert gab es eben nicht nur Zucht und Ordnung.

Vor zwölf Jahren wurde das 125-Jährige gefeiert, jetzt ist es schon das 150-Jährige. Das ist kein Rechenfehler. Das ist eine andere Zeitrechnung. Denn bislang bezog man sich im Stiftischen-Humanistischen Gymnasium bei den Jubiläumsfeierlichkeiten immer auf den Zeitpunkt, an dem das katholische Progymnasium und die evangelische höhere Bürgerschule vereinigt wurden. Jetzt gehen Lehrkörper und Schülerschar von einem anderen Gründungsjahr aus: von 1864. Denn schon in diesem Jahr soll auf dem Abteiberg, an der Stelle, an der sich das heutige Schulgebäude befindet, das Progymnasium gebaut worden sein. Zwei Drittel der Bausumme wurden damals gestiftet.

Und so bereiten sich derzeit alle fleißig auf das ungewöhnliche Jubiläum vor. Schüler überraschten ihre Lehrer, weil sie auch nach sieben Unterrichtssunden noch mit Feuereifer im Stadtarchiv Dokumente der Schulgeschichte durchforsten. Dabei schreckten sie auch Sütterlinschriften nicht ab. Schließlich ging es auch vor 100 Jahren nicht nur ums Pauken, sondern auch um Zucht und Ordnung, um illegale Wirtshausbesuche, Pausenbrotdiebstahl und das altbekannte "Blaumachen".

Foto: NN

All diese Geschichten werden sich in der zweiteiligen Festzeitschrift wiederfinden, an der gerade noch gearbeitet wird. Als Quellen dienten den jungen Forschern auch alte Schülerzeitungen, in denen in den wilden 70-er Jahren ganz schön mutige Artikel standen, wie Lehrerin Claudia Busenius-Pongs sagt. In einigen Fällen seien Ausgaben sogar vom Schulleiter verboten wurden. Mutig waren aber auch Schulleiter, wie zum Beispiel Wilhelm Giesing, der sich zur NS-Zeit weigerte, jüdische Schüler von der Schule zu verweisen und deshalb später gehen musste. Auch die Fusion einer katholischen und einer evangelischen Schule im Jahr 1877 galt zu dieser Zeit als äußerst ungewöhnlich — lebten die Anhänger beider Konfessionen damals doch weitgehend nicht in christlich-inniger Einigkeit. Auf dem Abteiberg klappte es, wenn auch der erste Schulleiter zwingend ein Katholik sein musste.

Foto: NN

Für Lehrer Hanspeter Stapper, der die Jubiläumsaktivitäten organisiert und koordiniert, passt das alles gut zum Bestreben der Schule, "sich weltanschaulich unabhängig mit den großen Geistesströmungen auseinanderzusetzen". Auf respektvollen und freundlichen Umgang miteinander wird ebenfalls viel Wert gelegt, "das ist zum Teil viel wichtiger als der letzte Pisa-Schrei", sagt Stapper.

Foto: NN

Die Schule sieht sich auch heute als Einheit. Um das auch beim öffentlichen Auftreten zu zeigen, so Schulleiter Theo Jacobs, wurde anlässlich des Jubiläums ein Logo-Wettbewerb ausgerufen. Der Entwurf von Schülerin Vanessa Braun gewann. Zum Schriftzug mit Schulnamen prägen auch die beiden Minkenberg-Statuen, die vor dem Schulgebäude stehen, das neue Logo. Die beiden Werke "Jugend" und "Alter", die, als sie noch auf dem Vordach des Vorgängerbaus für "Platon" und "Jesus" gehalten wurden, sind für Vanessa Braun Symbole für die gute Zusammenarbeit aller Generationen in der Schule.

Foto: NN

So viele Schülergenerationen wie möglich sollen sich am 13. September anlässlich des Jubiläums in der Aula des Gymnasiums treffen. Zum 125-Jährigen kamen über 1000. Die Zahl soll diesmal noch übertroffen werden. Mit dabei sein werden sicherlich auch viele Prominente, denn die Ehemaligen-Liste liest sich wie eine Who-is-Who-Liste von Mönchengladbach. Der Raumfahrer Reinhold Ewald ist nur einer der bekannten Ehemaligen.

Für die Festzeitschrift haben Schüler schon vorab Kontakt zu einer Ehemaligen aufgenommen. Bei ihren Recherchen stießen Schüler auf die erste Abiturientin an der ehemals reinen Jungenschule. "Sie ist 1949 an die Schule gekommen", berichtet Schülerin Sabine Jülicher, die mit Dr. Claudia Wiedemann, die heute in der Nähe von Köln lebt, bereits im regen E-Mail-Verkehr steht. Von ihr will man Näheres über die Koedukation in den 50-er Jahren erfahren.

Schon seit Längerem arbeitet das Huma daran, die Neugründung einer Stiftung für die Schule, die im Jubiläumsjahr ihren Zweck aufnehmen soll, dauerhaft zu ermöglichen. In der Stadt gebe es schon viele Beispiele für Bürger, die Verantwortungsbewusstsein zeigen und nicht immer nur nach dem Staat rufen, sagt Stapper. Als Beispiele nennt er den Münsterbauverein und den Masterplan. Eine Stiftung habe ebenfalls Vorbildcharakter. Von wegen "Geiz ist geil" und "ich bin doch nicht blöd".

(RP)