Mönchengladbach: 124 Pfoten fürs Ballett

Mönchengladbach : 124 Pfoten fürs Ballett

Einmal zum Casting bitte: Fünf Frauen eines Gladbacher Doggenclubs machten sich samt ihren Vierbeinern auf den Weg nach Düsseldorf. Denn Choreograf Ben J. Riepe will zur Nacht der Museen ein bewegtes Bild mit Hunden gestalten. Er war überrascht von der Spielfreude seiner Darsteller.

Cosa Nostra ist genervt. Die deutsche Dogge ist erst fünf Monate alt und bloß ihre Pfoten sind schon so groß, wie der ganze Hund erst werden will. Laufen Sie mal mit Riesenpfoten über ein Tanzparkett. Und dann sagt der Choreograf auch noch: "Jetzt mal etwas schneller bitte". Prompt landet Cosa auf der schwarz-weißen Schnauze und zeigte dabei eine Figur, die auch für Ballett-Profis nicht zu schaffen ist: einen doppelten Spagat.

"Eigentlich sind Doggen von Natur aus ruhig und gelassen", erzählt Claudia Möllecken, die mit ihren beiden Hunden Cosa Nostra und Donatus aus Mönchengladbach zum Casting in Düsseldorf angereist ist. "Aber Cosa ist ja noch so jung, die ist ein bisschen nervös." Möllecken hatte von der Aktion gehört und beschloss kurzerhand, mit Freunden aus der Mönchengladbacher Gruppe des Deutsche-Doggen-Club mitzumachen. "Das ist gut für das Sozialverhalten. Und macht außerdem Spaß", sagt sie. So war es auch kein Problem, noch vier andere Frauen samt ihrer Vierbeiner für das Casting zu gewinnen. Vorbereitet haben sich weder Frauchen noch Doggen. "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass die es auch so sehr gut meistern werden", betont Claudia Möllecken.

Was Choreograf Ben J. Riepe von seinen künftigen Darstellern verlangt? Der Folkwang-Absolvent aus Düsseldorf will ein "bewegtes Bild" inszenieren. Installation heißt das in der Künstlersprache und ist gewissermaßen ein Exkurs aus Riepes aktuellem Projekt, das "Liebe, Tod und Teufel" heißt und aus sechs getanzten Bildern besteht. Bild eins ist "Das Schachbrettzimmer" und die Tänzer dieses Stücks machen auch beim Hundebild mit.

"Ich möchte Sie alle in Barockkostümen im Foyer mit ihren Hunden verteilen", erklärt er den Hundehalterinnen das Konzept, während sich Königspudeldame Wendymaid nach den Mitstreitern umschaut und Dogge Donatus mit Jack-Russell-Terrier Einstein kurzen Nasenkontakt aufnimmt.

Alle 33 Hunde schaffen es in den "Recall", Die Jury in Person von Choreograf Riepe ist begeistert. "Ich hätte nie gedacht, dass das so wunderbar funktioniert." Er hat wenig Erfahrung mit Hunden. Bloß eben die Vision von den Barock-Frauen mit ihren Begleitern. "Es ist mal etwas anderes, mit Tieren Kunst zu machen. Und ein Signal gegen die ewige Kritik an Hunden und ihren Haltern."

Im Saal herrscht großes Geraschel, Geknurre und Gefiepe. "Können wir mal bitte ruhig sein", fragt Riepe — und es herrscht Totenstille. Dann sagt er "Geräusche bitte" — und schon wird wieder gewinselt. Man sieht dem Regisseur die Überraschung deutlich an. Dass 31 Hunde auf sein Kommando hören, damit hat er nicht gerechnet.

31? Genau. Xena ist raus. Sie hat schon vor dem Stille-Test pausenlos gebellt. "Sie will lieber spielen", sagt Besitzerin Brigitte Esselun überhaupt nicht enttäuscht. "Ist ja bloß Spaß." Den hat auch Dogge Pepper verloren und keine Lust, mit ihren Kumpels im Kreis zu stehen, während die Schachbrett-Tänzer mit Blumen vorbei springen und dabei in ein Megaphon schreien.

Alle anderen (Hunde und Frauen) machen mit. An den nächsten beiden Samstagen stehen die Proben an. "Und wir bekommen Kostüme", erzählt Möllecken. "Aber natürlich nur die Zweibeiner." Choreograph Riepe hofft jetzt nur noch, dass die Inszenierung am 19. April gut über die Bühne geht. Das Casting beendet er übrigens mit dem Satz: "Ich habe genug gesehen, gehört und gerochen." Sowas ist Dieter Bohlen noch nie eingefallen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hundecasting im Tanzhaus

(RP)