Mettmann: Zweimal neues Leben, bitte!

Mettmann : Zweimal neues Leben, bitte!

Siegfried Ellsiepen aus Mettmann und Hans J. Schmolke aus Velbert erzählen ihren langen Leidensweg, bis sie ein neues Herz bekommen haben. Sie werben für die Organspende und verurteilen den Skandal in Göttingen.

Siegfried Ellsiepen (69) führt seit zehn Jahren ein zweites Leben. Er trägt das Herz eines Organspenders. Wenn der Mettmanner nicht im August 2002 ein Spenderherz bekommen hätte, würde er nicht mehr leben. Hans J. Schmolke, Ansprechpartner der Selbsthilfe Organtransplantierter NRW, wirbt für die Organspende.

12 000 Patienten in Deutschland warten auf ein lebensrettendes Organ, 8000 davon auf eine Niere. Schmolke, der drei Jahre auf ein Spenderherz warten musste, kennt die Hintergründe und die handelnden Personen des Organspende-Skandals in Göttingen und Regensburg. "Ich verurteile die Manipulation der Patientenakten aufs Schärfste", sagt er.

"Es ging mit mir bergab"

Allerdings handele es sich um einen Einzelfall, so Schmolke. "Der Staat müsste schärfer kontrollieren und nach einem solchen Fall auch den Mut haben, ein Transplantationszentrum wie in Göttingen zu schließen." Zurück zu Ellsiepen. "Ich hatte vor 30 Jahren eine Herzmuskel-Entzündung", erzählt er. Mit herzstärkenden Medikamenten, diversen Klinikaufenthalten schaffte er es, 20 Jahre einigermaßen zu leben. Dann im Jahr 2000 bekam er Herzrasen, -flimmern und flattern.

Er wurde in das Herzzentrum nach Bad Oeynhausen transportiert. Er bekam einen Defibrillator. "Nach einem dreiviertel Jahr sprang der immer öfters an, es ging mit mir bergab", sagt er. Dann bekam er einen Anruf, dass es ein Spenderherz für ihn gebe. Das musste alles blitzschnell gehen, sagt er. Binnen einer halben Stunde holte ihn ein Auto ab und brachte ihn in die Herzklinik. Doch die Zeit vom Anruf bis zum Einbau des Organs war zu lang.

Das Herz wurde weiter gegeben. Schließlich hatte Ellsiepen dann doch noch Glück. Am 3. Oktober 2002 erhielt er ein neues Herz. "Gut, ich muss zwölf Medikamente täglich nehmen, damit das Herz nicht von meinem Immunsystem abgestoßen wird." Ellsiepen kann damit leben; auch damit, dass er niemandem die Hand oder einen Kuss geben darf. Sein Immunsystem wäre gefährdet.

Hans J. Schmolke stand auch auf der Warteliste. "Jeden Tag sterben drei Menschen in Deutschland, die auf der Warteliste stehen", sagt er. Er wirbt für den Organspender-Ausweis. Schmolke musste im Jahr 2000 mit einer künstlichen Herzpumpe (VAD) leben. "Im Regelfall heißt dass, wenn man nicht binnen eines Jahres ein Spenderherz bekommt, stirbt man."

"Ich bekam Panik"

Er hatte sich bereits von seiner Familie im Jahr 2001 verabschiedet. Dann bekam er ein neues Herz. "Es war eine Minute vor zwölf", sagt er. "Nach der OP lag ich in einem stillen Raum. Ich hörte nicht die Geräusche des mechanischen Herzens und bekam Panik. Dann fasste ich an meine Seite, da war kein VAD mehr. Ich bemerkte nur den großen Schnitt in meiner Brust. Da wusste ich, ich habe ein neues Herz. Ich habe mit meinem Herz gesprochen, es begrüßt und ihm gesagt, wir bleiben zusammen — noch viele Jahre." FRAGE DES TAGES

(RP/rl)
Mehr von RP ONLINE