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Mettmann: Zwei Kerzen – sonst nichts

Mettmann : Zwei Kerzen – sonst nichts

Ein Mettmanner Hartz-IV Empfänger erzählt, wie er die Feiertage verbringt.Die Arbeitslosigkeit und Alkoholprobleme führten zu geringem Einkommen.

Heute Abend werden bei Peter Bommel (*) zwei kleine Kerzen auf dem Tisch brennen. „Vielleicht sehe ich ein wenig fern. Mehr mache ich Heilig Abend eigentlich nicht“, sagt der fast 60-jährige Mettmanner. Essen wird er einen selbst gekochten Gemüseeintopf und „vielleicht reicht das Geld noch für eine Mettwurst“.

Das Gemüse holt sich Peter Bommel regelmäßig bei der Mettmanner Tafel an der Eichstraße ab. Sein Mittagessen nimmt er unter der Woche gerne bei der Wohnungslosenhilfe der Caritas an der Lutterbecker Straße ein. Für 1,20 Euro – Peter Bommel spart. Genau 347 Euro zahlt ihm die Arbeitsgemeinschaft Me-Aktiv im Monat. Dazu die Miete für sein 30 Quadratmeter Appartement und die Heizkosten. „Strom und Warmwasser muss ich aber selbst bezahlen“, sagt Bommel. Telefon wäre Luxus, der aber auch in Peter Bommels Leben früher ganz normal war. Bis vor wenigen Jahren hat er mit seiner Mutter in einem Reihenhaus mitten in Mettmann gelebt. Seine Mutter wurde pflegebedürftig und musste in einem Heim untergebracht werden. Die Kosten für das Heim konnte Peter Bommel nicht aufbringen.

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Trunkenheit am Steuer

Als ehemaliger selbstständiger Versicherungsmakler verlor er wegen Trunkenheit am Steuer seinen Führerschein und wurde arbeitslos. „Ich habe immer ganz gerne einen getrunken“, erzählt der Mettmanner. Auch früher mit den Kollegen. Heute trinkt er nur noch, wenn er es sich leisten kann. Eine vom Amtsgericht eingesetzte Betreuerin verkaufte sein Elternhaus, um die Kosten für das Pflegeheim der Mutter bezahlen zu können. „Auf einmal wurde das Telefon und der Strom abgestellt und ich stand auf der Straße“, sagt Bommel. Vier Wochen lang lebte er in der städtischen Obdachlosenunterkunft an der Hammer Straße. „Das war ganz schlimm, dort wurde schon morgens Wodka getrunken“, sagt Bommel.

Doch nicht zuletzt mit der Hilfe der Caritas gelang es ihm, eine Wohnung zu finden in der er sich nach eigenen Angaben sehr wohl fühlt. Regelmäßig besucht er die Wohnungslosenhilfe der Caritas in Mettmann. Dort hat er viele Menschen kennen gelernt, die in einer ganz ähnlichen Situation stecken wie er. Fast jeden Tag führt in sein Weg in die Räume an der Lutterbecker Straße. „Es ist gut, wenn man auch mal jemanden zum Reden hat“, sagt Bommel. Natürlich hat er die Weihnachtsfeier der Wohnungslosenhilfe am vergangenen Freitag im Pfarrzentrum nicht versäumt. Hat er überhaupt noch die Hoffnung auf ein anderes Leben, weg von Hartz IV?

Wenig Rentenversicherung

Falls seine Mutter stirbt, wäre womöglich noch ein Restbetrag vom Verkauf des Hauses übrig. Dann wäre er raus aus Hartz IV und müsste solange von dem Erbe leben, bis es aufgebraucht ist. Doch wie weit kommt man mit 30 000 oder 40 000 Euro. „Wenn man sich eingeschränkt vielleicht drei Jahre“, meint Bommel. Und danach? Wahrscheinlich wieder Hartz IV, denn viel in die Rentenversicherung eingezahlt hat Peter Bommel nicht.

*Name von der Redaktion geändert

(RP)