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Zwar-Gruppen: Städte brauchen Unterstützung

Kreis Mettmann : Streit um Kürzung bei Zwar-Gruppen

Der Landtag will die Unterstützung für die Freizeit-Netzwerke streichen. Die Kreis-Grünen setzen eine Petition dagegen.

Sie radeln gemeinsam, wandern, besichtigen Firmen, organisieren Freizeit in der Gruppe, helfen einander. Senioren (55+), die über eine so genannte Zwar-Gruppe zusammengefunden haben, bleiben beieinander, pflegen ihr Netzwerk und sind so auch im fortschreitenden Alter nicht isoliert. Bestenfalls engagieren sie sich noch ehrenamtlich, motiviert durch die Gruppenarbeit.

Doch damit könnte bald Schluss sein. Zum 31. Dezember soll es keine Unterstützung mehr vom Land für Aufbau und Weiterentwicklung der Gruppen „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ (Zwar) mehr geben. Dagegen rührt sich Protest. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag fordert jetzt die Rücknahme der Streichung.

Denn über lange Jahre geknüpfte Netzwerke würden damit empfindlich getroffen. Seit 40 Jahren unterstützt die Zwar (Zwischen Arbeit und Ruhestand)-Zentralstelle in Dortmund Kommunen landesweit bei der Gründung von Zwar- Netzwerken. Mittlerweile sind es landesweit 240, in denen sich 10.000 Menschen über 55 Jahren ganz offenbar wohl fühlen.

Zum Anschub steht den interessierten Kommunen für ein Jahr eine Moderatorin zur Verfügung. Danach laufen die Gruppen selbstorganisiert alleine weiter. Für Beratung, Qualifizierungen und für die Gründung weiterer Netzwerke bleibt die Zwar-Zentralstelle auch nach dem ersten Jahr Ansprechpartnerin

Auch in den Städten Mettmann, Erkrath und Wülfrath gibt es Zwar-Netzwerke. In Mettmann existiert die älteste Gruppe seit mehr als 17 Jahren. Zuletzt hatte sich in Mettmann eine neue Basisgruppe „Netzwerk ME 60+“ gegründet, die ihren Mittelpunkt in der DRK-Begegnungsstätte an der Bahnstraße hat. 3000 über 60-Jährige hatte die Stadtverwaltung damals als Zielgruppe ausgemacht und angeschrieben.

Zwar, das steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Gemeint ist also die Zeit des Übergangs, in denen sich Menschen auf das Rentenalter vorbereiten. Sie sollen nicht in ein tiefes Loch fallen, wenn der strukturierte Berufsalltag wegfällt. So unterstützen die Zwar-Mitarbeiter seit vielen Jahren auch die in Mettmann ansässige Kreisverwaltung bei der Weiterentwicklung der geförderten Seniorenbegegnungsstätten. Zuletzt engagierten sich die Moderatorinnen im vergangenen Jahr bei der gemeinsamen Ausarbeitung für Qualitätsstandards in den Seniorenbegegnungsstätten.

Die Grünen im Kreis Mettmann stemmen sich nun gegen den Beschluss mit einer Petition. „Diese Streichung ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die sich um die Quartiersentwicklung in den Städten und im Kreis kümmern. „Damit sind nicht nur Neugründungen von Zwar-Gruppen gefährdet, sondern es kann auch dazu führen, dass sich bestehende Gruppen auflösen“, sagt Sandra Ernst, Mitglied im Kreis-Sozialausschuss. Daher fordern die Grünen im Kreis die Rücknahme des Beschlusses und wollen eine Petition einreichen (www.zwar-ev.e/), die sich für eine weitere Förderung einsetzt.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Schlottmann, die mit Zwar-Gruppen in Kontakt ist, wollte sich auf Anfrage der RP dazu zunächst nicht positionieren. „Ich habe bis dato hier keinen neuen Sachstand“, schreibt sie. Sie will aber am Thema dranbleiben.