An(ge)dacht von Pfarrer Thomas Rehrmann Selbst zu Abenteurern werden

Jeder kennt sie: die Weihnachtsgeschichte. Und doch bietet sie genug Material für immer neue Gedankenanstöße. Für Pfarrer Thomas Rehrmann sind besonders die Figuren der drei Weisen von Interesse. Warum, verrät er in unserer Kolumne.

Pfarrer Thomas Rehrmann von der evangelischen Kirchengemeinde Wülfrath ist besonders fasziniert von den drei abenteuerlichen Weisen aus der Weihnachtsgeschichte.

Pfarrer Thomas Rehrmann von der evangelischen Kirchengemeinde Wülfrath ist besonders fasziniert von den drei abenteuerlichen Weisen aus der Weihnachtsgeschichte.

Foto: Blazy, Achim (abz)

Die Figuren aus der Weihnachtsgeschichte faszinieren mich jedes Jahr aufs Neue. Ganz besonders: die drei Weisen aus dem Morgenland. Waren diese Sterndeuter nicht Abenteurer, Utopisten, Visionäre? Haben sie doch das Unglaubliche gemacht, sie sind einfach ihrem Stern gefolgt. Am Ende hat es sich für sie gelohnt, am Ziel angekommen, hat sich etwas für sie verändert, so sehr hat sie ihre Reise zum Jesuskind berührt. Ein einfacher Stall, ein kleines, einfaches Kind und doch war alles anders. Ihnen ist bewusst geworden, was diesen König von anderen Königen unterscheidet: Es war ein König, der unseres Schutzes bedarf, ein König, der dort wohnt, wo die meisten wohnen, ein König, der noch wachsen muss, ein König, der in Armut lebt. Denn dort, wo er am meisten gebraucht wird, dort ist Gott selbst, dort können wir ihn antreffen, wenn wir richtig hinsehen. Ok, dafür müssten wir Abenteurer, Utopisten, Visionäre werden und uns auf den Weg machen. Aber wir würden merken: Es lohnt sich und verändert uns. Denn wir würden feststellen, dass dort von Gott geliebte Menschen leben. Menschen, die nichts für ihr Leid können, Menschen, die in Armut, Krankheit oder schlechter Luft leben. Menschen, die aber von Gott geliebt werden.

Die Sterndeuter mussten lernen, ihren Blick zu ändern und dann konnten sie das Wunderbarste in ihrem Leben entdecken: Gott selbst. In einem kleinen Kind, so schutzbedürftig, liebesbedürftig und unscheinbar wie wir alle. Ein Kind, das uns zeigt, dass im Schwachen die Kraft liegt, nicht im Starken. Ein Kind, das die Welt verändert hat, ganz einfach, weil es uns verändert hat. Denn darum feiern wir Weihnachten, weil diese Geschichte von der Geburt des Sohnes Gottes uns doch schon verändert hat und uns spüren lässt, dass das Leben anders ist. Jetzt an Weihnachten ist es mal wieder Zeit, in die Sterne zu schauen, die schlauen Bücher wegzulegen, Abenteurer zu sein, Utopisten und Visionäre. Es ist Zeit, den Blick zu weiten auf das Wunder, das uns schon unser ganzes Leben begleitet: Das Wunder Gottes, dass er bei uns ist, schon unser ganzes Leben lang.

(rie)