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Mettmann: Wohnungsnot in Mettmann

Mettmann : Wohnungsnot in Mettmann

Vor einem halben Jahrhundert sah es in der Kreisstadt noch ganz anders aus als heute. Weite Teile des Stadtgebietes waren noch unbebaut, der Siedlungsbau ME-West stand noch bevor. Ein Blick zurück.

Temperaturen von 20 Grad, zahlreiche Ausflügler und Autoschlangen auf den Straßen: Im Neandertal herrschte Hochbetrieb an den Osterfeiertagen vor 50 Jahren im April 1962. Der MTV, so schrieb die Mettmanner Zeitung, veranstaltete sein traditionelles Jugend-Feldhandball-Turnier auf dem Platz am Stadtwald. Am Pfingstgarten stand ein Handballturnier der Sportfreude Mettmann 28 auf dem Programm. Im Wuppertaler Zoo, der sein 80-jähriges Bestehen feierte, freuten sich die Besucher über zwei Schnee-Eulen, die der Alberta Zoo in Edmonton (Kanada) gestiftet hatte.

Menschen in Notunterkünften

In Mettmann herrschte damals große Wohnungsnot. 115 Mietparteien lebten in Notunterkünften und warteten auf eine Wohnung. Beim Bauamt der Stadt wartete man schon seit Wochen auf offenes Wetter, um endlich mit dem Bau eines viergeschossigen Punkthauses und von drei dreigeschossigen Doppelblöcken in Mettmann-West zu beginnen. "Nicht weniger als 63 Wohnungen entstehen hier, 39 für die Beseitigung von Notunterkünften und 24 im Rahmen des SBZ-Programms", hieß es.

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Die Teilung Deutschlands lag kaum ein Jahr zurück. Viele Menschen waren noch vor dem Bau der Mauer aus der "Sowjetzone" geflohen und suchten in Westdeutschland eine neue Heimat. Doch nicht nur Flüchtlinge aus Ostdeutschland brauchten eine neue Bleibe, auch Gastarbeiter, die in Mettmann arbeiteten, benötigten Wohnraum. Sie hausten, so der Chronist der Zeitung, "zum Teil in menschenunwürdigen Behausungen und mussten horrende Mieten zahlen." 400 Gastarbeiter lebten im April 1962 in Mettmann, und zwar in Gemeinschaftsunterkünften, "wo man zum Teil an seine Militärzeit erinnert wurde". Die Italiener gingen damals von Haus zu Haus, sprachen Leute auf der Straße an, um ein Privatquartier zu finden. Die Firma Georg Fischer wollte für ihre Gastarbeiter zwei Blocks zu bauen, in denen "165 von ihnen ein schönes, komfortables Heim finden". Seit zehn Jahren existierte das Lehrlings-Wohnheim an der Gottfried-Wetzel-Straße. Dort wohnten Auszubildende, die in Mettmanner Betrieben arbeiteten.

Kurz vor Ostern fiel die Entscheidung im Rat: Gerhard Görres soll neuer Stadtdirektor in Mettmann werden. Und: Helmut Kreil (heute Baas der "Aulen Mettmanner"), der bisher das Sozialamt leitete, sollte neuer Chef des Jugendamtes werden.

Das leidige Verkehrsthema war auch damals in aller Munde: Schüler zählten im April 1962 die Fahrzeuge, die täglich durch die Innenstadt fuhren. Man wollte genaue Zahlen haben, denn das Landesstraßenbauamt beabsichtigte, zwei Ampeln an der Kreuzung Talstraße/Breite Straße und am Jubiläumsplatz/Flintrop-Straße zu installieren. Der Verkehrsausschuss der Stadt lehnte die Ampeln ab, da man lange Staus befürchtete.

Arbeiter waren an der Evangelischen Kirche damit beschäftigt, die Fugen zwischen den Natursteinen vom alten Putz zu befreien. Das Mauerwerk war feucht und sollte neu verfugt werden.

(RP)