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Erkrath: Wo der Hund noch ganz er selbst sein darf

Erkrath : Wo der Hund noch ganz er selbst sein darf

Der Werbetexter Michael Frey Dodillet hat sein drittes Hundebuch geschrieben: "Herrchenglück" – oder der zweite Hund im Haushalt.

Luna und Wiki sind nicht gerade Hunde, die man als ausgesprochen gut erzogen bezeichnen würde. Laut bellend rennen sie auf die Besucherin zu, bestürmen sie voller Neugier. Und während des Gesprächs mit Herrchen Michael Frey Dodillet versucht der Jack-Russell-Münsterländer-Mix Wiki auch mal kurzfristig den Schoß des Gastes zu erkraxeln. Sie sind beide nicht so ganz einfach, die Vierbeiner, die sich der Werbetexter, Buchautor und spätberufene Hundefreund Michael Frey Dodillet da ans Bein gebunden hat. "Tiere mit einer schweren Kindheit. Luna versteht sich nicht mit anderen Hunden", sagt Herrchen. "Und Wiki versteht keinen Spaß bei Menschen, die ihr ihre Beute wegnehmen wollen."

Da Dodillet der etwas andere Hundebesitzer ist, nimmt er seine Tiere so, wie sie sind und schreibt Bücher über sie. Mittlerweile das dritte mit dem Titel "Herrchenglück". Dass der Erkrather und seine Hunde eine Menge zu sagen haben, stellen sie auf dem Blog "Krawallmaus" seit Jahren unter Beweis. Ebenso wie die Sinnlosigkeit mancher zweifelhaften Erziehungsmethoden mit "Markersignal und Klickertraining" oder die Methode, ein "traumatisierendes Abbruchsignal" wie "nein" zu vermeiden und stattdessen jaulend wegzurennen, wenn der Welpe dem Menschen gerade in seinem Übermut den Arm perforiert hat. "Wir haben schon alle Erziehungsmethoden probiert, keine hat so richtig gewirkt, und jetzt nehmen ich die Hunde so, wie sie sind", sagt Dodillet. Seinen Frust als unfähiges Herrchen hat er sich in seinen Büchern vom Leib geschrieben und damit viele offene Türen eingerannt.

Nach fast neun Jahren mit Luna, dem Schäferhund-Rottweiler-Mix (O-Ton vom Blog: Otter und Vielfraß sind auch noch drin) weiß Herrchen: "Wenn man sich als Mensch bei der Erziehung verbiegt, merkt das der Hund. Ich bin eben nicht derjenige, der mit Donnerstimme seinen Vierbeiner im Wald zusammenbrüllt, ich bin eher der stille, diplomatische Mensch, der es harmonisch mag. Ich brauche eine Form der Hundeerziehung, die aus mir rauskommt", sagt der Autor.

Nachdem sich das erste Buch "Herrchenjahre" voller Witz mit allen möglichen und unmöglichen Erziehungsmethoden auseinandersetzt, berichtet das neueste Werk vom Glück, einen Zweithund zu haben. Denn trotz all ihrer Vorbehalte den meisten Artgenossen gegenüber hat Luna den hübschen, wilden Wiki sofort ins Herz geschlossen. Allerdings handelt es sich laut Herrchen bei dieser Auswahl um "einen Schwerstrüpel mit Jagdtrieb, Hyperaktivität und bei seiner Ankunft im Hause Frey Dodillet auch noch pubertierend". Katastrophen, hervorgerufen durch Vierbeiner, sind bei Dodillet geradezu mit eingeplant und bringen ihn nicht aus der Ruhe.

Im Hundeparadies am Hausmannweg hat sich der Neuling dann auch schon mal flugs aus dem Staub gemacht, um sich mit Nachbars Gänsen zu beschäftigen. "Die sind ihm sehr ans Herz gewachsen", sagt Herrchen, "haben alle einen Namen, auf den sie hören." Zum Glück hat Wiki nach geglücktem Rückholmanöver den Kürzeren gezogen und musste sich von den Blessuren des wütenden Gefieders erholen. Aus solchem Stoff sind Hundegeschichten gemacht.

(RP)