Mettmann/Erkrath: Wisent und Tarpan hautnah erleben

Mettmann/Erkrath : Wisent und Tarpan hautnah erleben

Das Eiszeitliche Wildgehege im Neandertal wird attraktiver für Gäste. Im neu gebauten Neandertalhof können Besucher den Tieren näher kommen. Verbessert wird aber auch die sonst sehr schwierige tierärztliche Betreuung.

Das derzeit größte Landsäugetier Europas wird zwischen 400 Kilo und einer Tonne schwer. Wisente sind groß, sie sind sehr stark und für den Menschen gefährlich: Im Eiszeitlichen Wildgehege im Neandertal leben derzeit nur noch drei Wisent-Kühe, der Bulle ist vor einiger Zeit gestorben. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Wisente immer wieder von Parasiten befallen und so geschwächt wurden. Kontakt mit dem Tierarzt ist nur schwer möglich. Um an die Wisente heran zu kommen, musste jedes Mal ein Zoo in der Umgebung angerufen werden. Nur nach einem Schuss mit dem Betäubungsgewehr konnten die Wisente tierärztlich behandelt werden. Das soll sich nun ändern.

Der Kreis Mettmann hat in dieser Woche neue Pläne vorgestellt: Ziel ist es, das Eiszeitliche Wildgehege im Neandertal für Besucher wesentlich attraktiver zu machen. Dazu sollen rund 1,5 Millionen Euro investiert werden. Hauptprojekt ist der Bau des neuen so genannten "Neandertalhofs".

Dazu würde die Stadt Erkrath ein bisher als Acker genutztes Grundstück in der Nähe des S-Bahnhofs Millrath anbieten. Das Gelände liegt in der Nähe der Hauptstraße. Der Bau des Neandertalhofes an dieser Stelle wird etwa eine Million Euro kosten. Für den Hof gibt es schon erste Pläne. Seine Funktion: Man will die Art erhalten, aber auch Besuchern ermöglichen, wesentlich näher an die Wisente heran zu kommen. Darüber hinaus können die Wisente dort mit den Tarpanen gemeinsam leben.

Vorgesehen ist, dort einen offenen, teilüberdachten Boxen- und Fressbereich für Wisente und Tarpane zu errichten. Gänge und Boxen werden so angelegt, dass vor allem die Wisente jederzeit tiergerecht und für den Menschen gefahrlos gefüttert, beobachtet, getrennt und tierärztlich behandelt werden können. "Die Wisente werden mit Futter in einen Gang gelockt. Dort können dann je nach Bedarf einzelne Boxen geöffnet werden", sagte Klaus Adolphy jetzt bei der Vorstellung des Projekts im Kreisausschuss. In einer speziellen Box können Wisente ohne Betäubung so fixiert werden, dass auch ein Tierarzt gefahrlos an die Kolosse herankommt. "Dieses System ist europaweit einzigartig", sagte Georg Görtz, Leiter des Kreisplanungsamts.

Ziel ist es, durch bessere medizinische Kontrolle eine Wisent-Herde von bis zu zehn Tieren im Neandertal zu züchten. Mutterkühe und Jungtiere könnten dann von Besuchern im Neandertalhof besucht werden. Ein Multifunktionsraum für Besuchergruppen wie etwa Schulklassen bietet über eine Panoramascheibe weite Ausblicke auf die neu angelegten Weiden, auf denen die Wisente zusammen mit den Tarpanen umherstreifen. Einen ganz besonderen Überblick über die Landschaft und die Herden könnte man von einer neu angelegten Plattform erhalten, die nach den Plänen des Kreises auf dem Dach des Boxenbereichs der Wisente errichtet werden soll.

Für die Besucher des Neandertalhofes wird so visuell Neandertal erlebbar, während man gefahrlos und hautnah das Verhalten der Wisente beobachten kann, wenn sich die Tiere im Außenstall aufhalten. Getrennt werden müssen die Wisente allerdings von den Auerochsen. Dazu werden die vorhandenen Weiden umstrukturiert. Um den neuen Weidebereich soll größtenteils auf den bereits vorhandenen Wegen ein neuer Rundweg geführt werden. Bei der Anlage des Wegs wird eine kleine künstliche Schlucht geschaffen, die die Tiere nutzen werden, um die Weideflächen zu wechseln. Dort haben Besucher ebenfalls einen guten Ausblick auf Wisente und Tarpane. Für das Neandertal ergeben sich so völlig neue Besucherstrukturen. Es wäre künftig denkbar, dass Gäste mit dem Besuch des Neandertalhofs starten und erst dann hinunter zum Museum gehen.

Die Politiker im Kreisausschuss begrüßen das Projekt grundsätzlich. Weil aber kaum eine Fraktion bislang Gelegenheit hatte, die erst kurz vor der Sitzung reingereichte Vorlage zu besprechen, wurde eine Entscheidung vor allem im Hinblick auf die Finanzierung auf die nächste Sitzung verschoben. Sie findet Mitte Dezember statt.

(RP)
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