Mettmann/Ratingen: "Wir wollen weiter schuldenfrei bleiben"

Mettmann/Ratingen : "Wir wollen weiter schuldenfrei bleiben"

Landrat Thomas Hendele (CDU) lehnt sich vor der Wahl weit aus dem Fenster, doch er glaubt an robuste Finanzen.

Von Wahlkampf will Thomas Hendele (CDU), seit 1999 Landrat des Kreises Mettmann, gar nichts wissen. Er bezieht sich auf die Fakten und den Kurs — und der ist klar abgesteckt. "Wir wollen im Kreis Mettmann weiter schuldenfrei bleiben", betonte der Diplom-Verwaltungswirt bei seinem ersten von zehn Auftritten im Kreisgebiet. Er glaubt an robuste Finanzen und ist davon überzeugt, dass die Schuldenfreiheit seit dem Jahr 2008 das Ergebnis eines Maßnahmenbündels ist. So habe man 28 Millionen Euro an Zinsen eingespart, die man nicht über die Kreisumlage hereinholen musste. Im Kreis gebe es über 170 000 sozialversicherungspflichtige Personen — auch ein Zeichen dafür, dass der Arbeitsmarkt im Kern gut aufgestellt ist.

Job-Center In diesem Bereich sieht Hendele, der früher in verantwortlicher Position in Pulheim, Leichlingen und Erkrath gearbeitet hat, trotzdem erheblichen Nachholbedarf. Die Vermittlungsstellen im Kreis müssten deutlich besser ausgestattet werden, Hendele sprach von 40 Jobs, für die er bei der Bundesagentur für Arbeit kämpfen will, wenn nötig auch mit harten Bandagen.

Berufskollegs Wolfgang Diedrich, der Vorsitzende des Schulausschusses im Kreistag, berichtete, dass alle Berufskollegs mit ihren insgesamt 120 Bildungsgängen mindestens bis zum Jahr 2025 erhalten bleiben. Rund 9000 Schüler besuchen diese Einrichtungen, die sich vor allem über den Praxisbezug definieren. So soll in Hilden eine weitere Technik-Klasse eingerichtet werden. "Wir erleben bei den Berufskollegs einen Boom", betonte Diedrich erfreut.

Kommunal-Soli In den kommenden acht Jahren müssen einige Kommunen sehr viel Geld ans Land überweisen, das sie gar nicht haben. Insgesamt, so rechnete Hendele vor, summiere sich die Abgabe für den genannten Zeitraum auf 293 Millionen Euro. Der Kreis leiste damit rund 38 Prozent der Gesamtbelastung, erläuterte Hendele.

Regionalplan Dem Landrat geht es um eine Balance zwischen Ökologie und Ökonomie. Sicherlich müsse man an verfügbare Gewerbeflächen denken, "aber wir wollen nicht, dass unsere Natur zubetoniert wird". Gemeinsam mit den kreisangehörigen Städten will man das "Neanderland" als Marke für Kultur und Tourismus nach vorne bringen. Die Schonung der Natur- und Landschaftsräume sei dabei kein Widerspruch, sondern eine Verpflichtung. Ein Leuchtturmprojekt für den gesamten Kreis soll die Weiterentwicklung des Blauen Sees sein. Dazu wird demnächst auch Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) in Ratingen erwartet, wie der Ratinger CDU-Fraktionschef Ewald Vielhaus, der auch im Kreistag sitzt, gestern berichtete.

Einsparpotenziale Enger und vor allem effektiver zusammenarbeiten — diesen Kurs will man weiter forcieren. Dietmar Weiß, seit 2004 für die CDU im Kreistag, nennt Beispiele: So wollte sich die Stadt Wülfrath ein eigenes Rechnungsprüfungsamt leisten. Diese Aufgabe habe der Kreis übernommen. Ähnliches gilt für die zentrale Bündelung von Ausländerangelegenheiten in Mettmann, die vor allem in Ratingen für Unruhe gesorgt hatte. Inzwischen habe sich die Situation beruhigt, befand Weiß.

Auch bei den Bauhöfen im Kreis könne man noch enger zusammenarbeiten und Kosten sparen.

(RP)
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