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Wülfrath: Wilhelmstraße wird aufgerissen

Wülfrath : Wilhelmstraße wird aufgerissen

Reportage Für die Erneuerung der Hauptwasserleitung wird in der Fußgängerzone Wilhelmstraße und auf dem Heumarkt gearbeitet. Die Geschäftsleute sind geteilter Meinung über die Bedeutung für den Handel. Leitungen im Boden verzögern die Arbeiten.

Auf die Geschäftsleute in der Fußgängerzone Wilhelmstraße kommen große Veränderungen zu. Im Zuge der Neugestaltung müssen Blumenkübel und Bronzefiguren einem zwei Meter breiten Graben weichen, der die Begehbarkeit der Fußgängerzone beeinträchtigen wird. Bevor die Wilhelmstraße modernisiert wird, muss erst die Hauptwasserleitung erneuert werden.

Herbert Kleinert, Inhaber des Wülfrather Altstadtladens, ist gleich von zwei Bauphasen betroffen. Sein Geschäft befindet sich an der Schnittstelle Wiedenhofer Straße/Zur Loev, wo im Frühjahr 2012 die Baumaßnahmen für den dritten Abschnitt beginnen. "Als ich meinen Laden noch in Bochum hatte, war ich in der gleichen Situation", erzählt Kleinert. Damals seien ihm 80 Prozent des Umsatzes weggebrochen. "Wenn alle Maßnahmen abgeschlossen sind, wird es dauern, bis die Leute wieder den Weg in die Fußgängerzone finden."

Baustelle ist geschäftsschädigend

Ähnlich sieht das Christine Arndt, Mitarbeiterin im "Obstgarten". Sie befürchtet, dass die Baustelle sich geschäftsschädigend auswirken wird. Im Winter habe man erlebt, was es bedeutet, wenn die Fußgängerzone nur schwer begehbar ist und die Ware nicht ausgestellt werden kann.

Auf dem Pflaster im zweiten Abschnitt sind Markierungen zu sehen, die andeuten, wo der Graben verlaufen wird. Startschuss der Bauarbeiten in der Wilhelmstraßesollte ursprünglich am 22. August gewesen sein. Da jedoch gerade der Anfangsbereich stark von alten Leitungen durchzogen ist, verzögern sich die Arbeiten immer wieder. "Die Belastung für Anwohner und Geschäftsleute soll so gering wie möglich gehalten werden", sagt Michael Gallinat von den Wülfrather Stadtwerken. Der Graben wird in Absprache mit dem Ordnungsamt in Teilstücke von jeweils 24 bis 36 Metern eingeteilt. Diese Abschnitte sollen nacheinander bearbeitet und unmittelbar nach Erneuerung der Rohrleitungen wieder zugeschüttet werden.

Besonders auf die Zeit an der Baustelle vorbereitet haben sich die wenigsten Geschäftsleute. Ulrike Schultz ist Inhaberin des Modegeschäfts "Le Clou" und setzt weiterhin auf ihre Stammkunden. Sie hofft, dass die Bauarbeiten zügig und effizient vonstatten gehen. "An unserem Service wird sich jedenfalls nichts ändern", sagt sie.

Deutlich positiver bewerten Susanne Müller und Michaela Reichardt die Situation. Die Inhaberinnen von Optik Kotzenberg freuen sich auf die Umgestaltung und sehen die Veränderungen als große Chance. "Mir gefällt die Fußgängerzone ohne Blumenkübel schon viel besser", sagt Susanne Müller. Von der Baustelle am Heumarkt seien bisher keine Beeinträchtigungen ausgegangen und Umsatzeinbußen seien auch nicht zu befürchten.

"Die Baustelle ist stark belastend." – so empfinden Astrid und Lars Goldberg vom gleichnamigen Goldschmiedebetrieb. "Wenn die Baustelle direkt vor unserer Tür angekommen ist, werden wir uns die ein oder andere Aktion überlegen, um die Kunden auf uns aufmerksam zu machen", erklärt Lars Goldberg. "Die kleinen Läden werden sich nur schwer halten können", fügt Astrid Goldberg hinzu. Marc Rexhausen hat sein Männermodegeschäft Im Spring und somit den Graben bereits vor der Tür. "Es läuft alles sehr gut ab", berichtet er. Die Baustellenzeit hat Rexhausen für einige Umbaumaßnahmen im eigenen Laden genutzt und kann sich über keinerlei Beeinträchtigungen beschweren.

Lüften ist problematisch

Das Reisebüro Növermann am Heumarkt hat das Schlimmste vorerst hinter sich. Büroleiter Reinhard Kröger erzählt, dass unmittelbar vor dem Geschäft in der alten Poststation ein Bauzaun aufgestellt worden war. "Der Baulärm tritt sehr unvermittelt auf und auch das Lüften ist problematisch."

Die Schottertragschicht auf dem Heumarkt soll den Stadtwerken zufolge im Laufe der nächsten Woche entfernt und der Boden asphaltiert werden. Über die Informationspolitik könne man sich nicht beschweren, so Reinhard Kröger. Es sei immer alles rechtzeitig angekündigt worden. Er geht jedoch davon aus, dass die Innenstadt ihren Flair verlieren wird.

(RP)