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Wieder was Sinnvolles tun dank Ein-Euro-Jobs

Sozialverband in Mettmann zieht Bilanz : Wieder was Sinnvolles tun dank Ein-Euro-Jobs

Die Caritas kann viele Teilnehmer nach einer Arbeitsgelegenheit in reguläre Beschäftigung vermitteln. Das Erfolgsrezept: Die Arbeit ist auf den Menschen zugeschnitten, nicht umgekehrt.

Mettmann Noch immer haben Ein-Euro-Jobs mit Vorurteilen zu kämpfen. Auf der einen Seite steht die Meinung, dass die Arbeitssuchenden nur ausgenutzt würden, auf der anderen Seite die Überzeugung, dass Arbeitssuchende gar keine Arbeit wollen. Dass beides nicht stimmt, beweist die Caritas im Kreis Mettmann, die hier insgesamt 18 solcher Arbeitsgelegenheits-Stellen zur Verfügung stellt. Sie stellte ihr Projekt jetzt vor.

„Wir bieten Outdoor-Arbeitsgelegenheiten an“, erklärt Niels Nowak von der Caritas Beschäftigungsförderung. „Das heißt, die Mitarbeiter werden in externen Einrichtungen eingesetzt, wie Senioreneinrichtungen oder Kitas.“ Hier arbeiten diese Menschen als zusätzliche Hilfen, so dass sie ganz ohne Leistungsdruck zurück in einen Arbeitsalltag finden können. Eine solche Einrichtung ist das Caritas-Altenstift in Mettmann. Um Langzeitarbeitslose wieder in eine Arbeitsstruktur zu bekommen, braucht es Geduld, weiß Einrichtungsleiterin Ilka Marschaleck: „Es kann nur gelingen, wenn beide Seiten offen sind und Verständnis füreinander haben.“

Zunächst findet ein Kennenlernen statt. „Wir schauen, welche Fähigkeiten die Person mitbringt, sehen, was geht oder was nicht funktioniert.“ So wird eine zum jeweiligen Menschen passende Stelle entwickelt. „Wichtig ist, dass man die Teams mit ins Boot holt und erklärt, dass es einen etwas längeren Atem braucht“, erklärt Marschaleck. Dann kann es passieren, dass sich jemand so gut in die Einrichtung und in seine neue Arbeit einbringt, dass aus der Arbeitsgelegenheit ein reguläres Arbeitsverhältnis wird.

So, wie bei Petra Roth und Hans-Jürgen Ihlefeld. „Ich habe im Juli letztes Jahr hier angefangen, bis Dezember, und dann nochmal drei Monate verlängert“, erzählt Ihlefeld, der sich unter anderem um Garten, Hof und Parkplätze kümmert. „Ich musste mich erstmal dran gewöhnen“, gibt er zu. Deshalb wurde seine Arbeitszeit allmählich aufgestockt, von vier auf jetzt sechs Stunden. Petra Roth hat lange ihre Mutter gepflegt, bevor sie sich 2016 arbeitslos meldete. „Am Anfang war es schwierig“, erzählt sie. Kurz vorm Hinschmeißen war sie, doch Ilka Marschaleck hat ihr Potenzial erkannt und ihr Mut gemacht. „Ich bin gerne hier“, kann sie inzwischen sagen, „ich komme gerne zum Arbeiten.“ Auch im Team wurde sie gut aufgenommen. Nun ist sie im Bereich Hauswirtschaft tätig, reicht oder verteilt Kaffee, hilft beim Essen, spricht mit den Bewohnern. „Es ist schön, wenn man gebraucht wird.“

Der Bereichsleiter Integration und Rehabilitation Thomas Rasch erklärt: „Es ist nicht der Auftrag der Arbeitsgelegenheit, in Arbeit zu vermitteln, aber es kann sich so ergeben.“ So hat das Altenstift in den vergangenen Jahren sieben Menschen aus der Arbeitsgelegenheit in Festeinstellung übernommen. „Das ist auch möglich durch die Lohnkostenförderung der Job-Center“, sagt Niels Nowak. So haben am Ende alle etwas von dieser Maßnahme.