Analyse: Wettbewerb statt Wunschkonzert

Analyse : Wettbewerb statt Wunschkonzert

Normalerweise kennt man das nur aus dem familiären Binnenverhältnis. "Ja, Du kriegst ein Stückchen Schokolade. Aber nur wenn Du den Müll runterbringst und noch das Karnickel saubermachst." Juristen nennen das Erpressung, Eltern erfolgsorientierte Erziehung.

Im Falle der Stadt Mettmann nehmen wir die zweite Möglichkeit, denn wie die Stadt den heimischen Energiemarkt mit der Bildung von Stadtwerken Mettmann plus starkem Partner mit cleveren Kniffen erobern wollte, hat schon was Erfolgsorientiertes.

Das Bundeskartellamt mochte da nicht mitspielen und verbot der Stadt, das Vergabeverfahren für die Strom- und Gas-Konzession weiter zu treiben. Warum eigentlich, die Mettmanner hatten doch alle Zeitfristen eingehalten, europaweit hatten sie auch ausgeschrieben? Formal konnte sich also jeder bewerben, warum also der Stopp aus Bonn?

Die Mettmanner suchten zuerst einen Partner für die künftigen Stadtwerke: "Wir brauchen Experten, denn wir haben noch nicht das Know-how selbstständig zu arbeiten", sagte Kämmerer Reinhold Salewski. Von ehemals sechs Interessenten waren bis vor Kurzem noch drei übriggeblieben (Stadtwerke Düsseldorf, Stadtwerke Ratingen und die Kooperation der Stadtwerke Erkrath, Heiligenhaus und Wülfrath). Auf der heutigen Ratssitzung sollte der strategische Partner gekürt werden.

Anschließend sollte nach dem Willen Mettmanns Phase Zwei beginnen: Die Konzession für die Strom- und Gasversorgung sollte vergeben werden. Aber mit Bedingungen wie die Miterledigung von Aufgaben rund um die Straßenbeleuchtung, dem Schwimmbadbetrieb und der Abwasserentsorgung. Gas und Strom-Partner sollten Unternehmen nur werden können, wenn sie auch das Kleinzeug mitmachen, mit dem es kaum etwas zu verdienen gibt.

Die Stadtwerke Mettmann wären bei den Bedingungen als Kandidat für die Konzession wohl alleine übriggeblieben. Das hat das Bundeskartellamt nun verhindert. Städte müssen die lukrativen Konzessionen für den Betrieb ihrer Gas- und Stromnetze offen ausschreiben, so dass sich auch Konkurrenten von außerhalb bewerben können. Bitter", nannte Salewski die Kartellamtsentscheidung. Jetzt muss Mettmann zwar nicht selbst den Müll runterbringen, aber es muss ausschreiben. Europaweit und ohne Bedingungen, einzig nach dem Prinzip: Das wirtschaftlich beste Angebot macht das Rennen. Das können die Stadtwerke Mettmann sein. Aber auch jedes andere Energieunternehmen in Europa — ohne sich an den Stadtwerken Mettmann beteiligen zu müssen.

Das kann den Kunden mit später günstigen Preisen nützen. Muss es aber nicht. Dass der Versorger hier ansässig ist, die Gegebenheiten kennt und Servicewege kürzer sind, ist ein Plus andererseits. Das muss man aber im Wettbewerb entscheiden. Und nicht mit der Auflage, auch das Karnickel sauberzumachen.

Hier geht es zur Infostrecke: So steigen die Strompreise in der Region

(RP/ac/ila)
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