Westnetz schult jetzt auch in Mettmann

Mettmann : Westnetz schult jetzt auch in Mettmann

Der Stromversorger hat am Standort der Umspannanlage einen deutschlandweiten Trainingscampus eingerichtet.

Rauf Guliyev hat einen Job, um den ihn andere Männer beneiden. Er ist Pilot. Er steuert allerdings kein Flugzeug, sondern eine Drohne – und das im Auftrag der Sicherheit: Die Firma Westnetz lässt bereits seit geraumer Zeit ihre Stromleitungen und -masten per mobiler Kamera aus der Luft überwachen. Das kleine, lediglich leise schnurrende Gerät kann so feststellen, ob Leitungen und Anschlüsse defekt sind. Techniker müssen dazu nicht mehr mühsam in die Höhe klettern, und auch der Einsatz Sprit fressender Hubschrauber ist damit nicht mehr nötig.

Die Bilder der Drohne werden am PC mit Hilfe spezieller Software gesichtet und ausgewertet. Wie das geht und worauf man da achten muss, das vermittelt die Firma Westnetz ihren Mitarbeitern jetzt auch in Mettmann: Am Dienstagmorgen weihten Westnetz-Geschäftsführer Dr. Stefan Küppers, Bürgermeister Thomas Dinkelmann und weitere Experten des Stromversorgungs-Unternehmens den neuen „Trainingscampus“ am Standort Mettmann ein. Künftig werden hier Mitarbeiter von Emsland bis Hunsrück, von der niederländischen Grenze bis ins Weserbergland geschult.

Bei mehr als 5000 Mitarbeitern, die Westnetz deutschlandweit zählt, gibt es damit ein großes Potenzial, wobei man im kommenden Jahr erst einmal mit sechs Schulungen zur so genannten Schaltbefähigung beginnen will. „Wir sind aber sicher, dass wir das noch steigern werden“, sagt Küppers. Zudem soll das Zentrum, in dem sich einst der Arbeitsplatz des Schaltanlagenwarts für die benachbarte Umspannanlage befand, für Veranstaltungen, Teamevents und Besprechungen zu mieten sein. Auch Informationsveranstaltungen für Laien zum Thema Strom sind in Überlegung.

So sieht der neue Trainingscampus der Firma Westnetz in Mettmann aus. Unweit davon liegt das Umspannwerk „Am Schwarzen Pferd“, das den Schulungsteilnehmern realistische Bedingungen bietet. Foto: Alexandra Rüttgen

So unscheinbar der Trainingscampus auf den ersten Blick wirken mag, er hat es in sich. Hochmotiviert präsentierten die Ingenieure allerlei technische Gimmicks – von der elektronischen Sicherung des Gebäudes selbst über eine Sitzbank, die Handys den Strom nachlädt, indem sie einfach nur darauf gelegt werden, bis hin zum Schaltpark, der sogar mit 10.000 Volt betrieben werden kann – „eine Besonderheit!“, teilt das Unternehmen stolz im frisch gedruckten Faltblatt des Trainingscampus mit. Techniker können hier gefahrfrei den Umgang mit hohen Voltzahlen üben – und weil dies unter Laborbedingungen geschieht und das Versorgungsnetz der Stadt Mettmann gesichert sei, müssen die Kreisstädter nicht befürchten, irgendwann im Dunkeln da zu sitzen, wenn der Azubi mal den falschen Knopf gedrückt hat, versichern die Westnetz-Experten. In der Anlage testet Westnetz zudem neue Technologien unter realen Bedingungen – so zum Beispiel die „elektronische Schnüffelnase“, ein Gerät namens „Smelldect“, das einen Kabelbrand erkennen kann. Auch die so genannte „Augmented Reality“ (steht für „erweiterte Realität“), die über eine Spezialbrille Fotos der Anlagen und ihrer Umgebung virtuell wiedergibt, steht mittlerweile in Diensten der Sicherheit, kann der Anwender dank der Sichtgeräte doch fiktive technische Szenarien durchspielen. Sie sind der Flugsimulator des Starkstromtechnikers, sozusagen. Viele dieser hochmodernen technischen Neuheiten können die Westnetz-Mitarbeiter nun also in Mettmann kennenlernen und ihre Anwendung in den Arbeitsalltag einbauen. „Digitalisierung wird in den nächsten 20 Jahren die Energiewirtschaft verändern“, sagt Stefan Kreutz, Leiter der Abteilung Technologie, und entsprechend will sich das Unternehmen auch als moderner Arbeitnehmer den immer rarer werdenden Nachwuchskräften präsentieren.

Bürgermeister Thomas Dinkelmann (M.) probierte „Augmented Reality“ gleich einmal aus. Foto: Alexandra Rüttgen

Mettmanns Bürgermeister Thomas Dinkelmann zeigte sich bei der Einweihung erfreut über die Entscheidung des Unternehmens, die Kreisstadt als Standort des Schulungszentrums zu wählen: Die Zukunftswerkstatt sei „für unsere Stadt eine große Bereicherung und wird den Wirtschaftsstandort Mettmann weiter stärken“, sagte Dinkelmann.