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Mettmann: Wenig Interesse am Neanderpark

Mettmann : Wenig Interesse am Neanderpark

Analyse Die Lärmschutzauflagen des Gewerbegebietes am Südring verhindern eine zügige Vermarktung. Der Stadt geht so Geld aus dem Verkauf der Flächen und Gewerbesteuer verloren. Im Osten soll ein neues Industriegebiet erschlossen werden.

Der Wegzug der Firma Gather Industrie nach Wülfrath offenbart ein Dilemma der Mettmanner Wirtschaftsförderung. Am Südring wurde in den 90er Jahren ein Gewerbegebiet ausgewiesen, das eigentlich keines ist. Der Grund: Die nahe Wohnbebauung an der Karpendelle und die damit verbundenen Lärmschutzauflagen lassen die Ansiedlung eines Industriebetriebes, der einen bestimmten Lärmpegel überschreitet, nicht zu. Eigentlich, so sagen Insider, hätte die Fläche am Südring nie als Gewerbegebiet genehmigt werden dürfen. Der ursprüngliche Plan der Stadt, dort einen Handwerkermarkt zu etablieren, ist nicht aufgegangen.

Heute sitzt die Stadt immer noch auf einer Fläche von 5,8 Hektar (das sind etwa sechs Fußballfelder), die auf Käufer warten. Die Folge: Geld aus dem Grundstücksverkauf und Gewerbesteuer fließen nicht in das arg gebeutelte Stadtsäckel.

Zur Vorgeschichte: Die Stadt war lediglich Eigentümer einer Teilfläche am Südring. Der Rest gehörte Privatleuten. Und die wollten das Gelände nur dann an die Stadt verkaufen, wenn sie ihnen im Gegenzug erlaubt, dort auch ein Wohngebiet zu erschließen. Die Stadt ging auf den Deal ein, baute einen großen Lärmschutzwall zwischen Gewerbe- und Wohngebiet. Doch die noch immer geltenden Emissionswerte sind so gering, so dass sich am Südring nur Gewerbe (Dienstleister) ansiedeln kann, welches quasi überhaupt keinen Lärm verursacht. Bürgermeister Bernd Günther spricht von Richtwerten in einer Größenordnung von 36 Dezibel. "Das ist weniger, als wenn man eine Autotür auf- und zuschlägt", sagte er unlängst im Wirtschaftsförderungsausschuss. "Die Lärmschutz-Problematik ist nicht richtig bedacht worden", gab er zu.

Nächste "Baustelle": Die Stadt hat vor, im Osten der Stadt Flächen zu kaufen, die sie als Gewerbegebiet ausweisen will. Anschließend an das Gebiet zur Gau liegen diese Flächen, die eine Größe von 3,5 Hektar haben. Es existiert ein Bebauungsplan, sagt Wirtschaftsförderer Wolfgang Karp. Die Erschließungsplanung soll ausgeschrieben werden.

Am Benninghofer Weg soll ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt Gewerbe ein neues Domizil finden. Allerdings ist das Gelände recht hügelig. Deshalb hat sich die Stadt entschieden, das künftige Gewerbegebiet im Flächennutzungsplan zugunsten der Fläche in der Gau zu verkleinern. Ein Problem sind die Tauschflächen: Die Stadt muss für jeden Quadratmeter Ackerland, den sie als Wohn- und Gewerbegebiet kauft, landwirtschaftliche Ersatzflächen ausweisen.

Das bedeutet: Kämmerer Reinhold Salewski sucht händeringend Ackerflächen. Rund 30 Hektar könnten demnächst als neue Tauschflächen zur Verfügung stehen. Voraussetzung: Die Erbengemeinschaft verkauft die Äcker und Wiesen an die Stadt.

(RP)