Weihnachten spaltet den Einzelhandel

Einzelhandel in Mettmann wenig optimistisch : Weihnachtsgeschäft: Stimmung verhalten

Ein Fünftel seines Jahresumsatzes erwirtschaftet der Handel vor Jahreswechsel, doch die Kaufleute sind eher skeptisch.

Von Danina Esau und
Valeska von Dolega

Weihnachten spaltet den Einzelhandel, sagt Bea Arenz, Inhaberin eines Spielwarengeschäftes in Erkrath. „Es läuft jetzt noch schlechter als im vergangenen Jahr. Ich glaube nicht, dass es vor Weihnachten besser wird – aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt sie. Über die Gründe kann sie nur spekulieren. „Die größten Konkurrenten sind der Online-Handel und die wachsende Bequemlichkeit der Leute. Das passt natürlich gut zusammen.“ Auch sei es schwierig, sich gegen die Drogeriemarkt-Ketten durchzusetzen. Sie verfügen ebenfalls über ein großes Spielwarensortiment und locken mit regelmäßigen Angeboten ins Geschäft. „Da kann ich nicht mithalten.“

Auch Goldschmied Lars Goldberg aus Wülfrath ist skeptisch. Bedauernswert findet er, dass jetzt auch in kleinen Städten ein Einkaufszentrum nach dem anderen eröffnet wird. „Shopping-Malls machen Städte kaputt – und damit auch uns Einzelhändler“, sagt er. Durch die großen Ketten gehe das Individuelle, die Vielfalt verloren. Auch von Internet-Versandhändlern seien Konsumenten sehr verwöhnt: „Schnell, billig und nach Hause geliefert gibt es bei uns nicht.“ Er kann sich nur noch auf seine Stammkunden verlassen, die sich keinen billigen Modeschmuck kaufen, sondern auf Qualität setzen. Auch für ihn heißt es: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Ganz anders das Ergebnis der Stimmungsumfrage im regionalen Einzelhandel, den der Handelsverband Nordrhein-Westfalen vorgenommen hat. „Angebote wie Weihnachtsmärkte, Late-Night-Shopping und besondere Aktionen der Einzelhandelsgeschäfte ziehen bereits am 1. Adventswochenende die Kunden in die Städte. Durch das trockene Wetter und die kühlen Temperaturen waren die Kunden in Weihnachtsstimmung. Weihnachtsdekoration und erste Nikolausgeschenke wurden bereits eingekauft.“, resümmiert Referent Björn Musiol. Erwartet wird außerdem wieder der in-letzter-Minute-Einkauf – also Shopping noch bis kurz vor der Bescherung.

Marcus Stimler von der IHK weiß: Während sich die Rahmenbedingungen in der Industrie langsam verändern, boomt der Einzelhandel, insbesondere in der Vorweihnachtszeit. Im nächsten Jahr soll es noch besser werden. „Mit einer Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent gilt das Kreisgebiet als fast voll beschäftigt. Die Leute sind in Lohn und Brot“, sagt er. Dies spiegelt sich auch in der Kaufkraft wider. Mettmann weise derzeit die größte Kaufraft auf, auch in Zukunft wird sich das nicht ändern: Auch die Neueröffnung der Galerie Königshof macht die Stadt attraktiv. Und auch der Mettmanner Wirtschaftsförderer Stephan Reichstein prognostiziert Positives. „Viele schätzen die Beratung Inhaber geführter Geschäfte, die sie in großen Ketten nicht bekommen“, erklärt er. Auch durch die wachsende Anzahl sogenannter hybrider Kunden, die Porsche fahren und zugleich ihre Lebensmittel bei Aldi einkaufen, seien die Angebote kleiner Händler vollkommen konkurrenzfähig.

Auf ein lukratives Vorweihnachtsgeschäft darf sich der Buchhandel freuen. „Haptiker und Olfaktoriker können mit einem E-Book nichts anfangen“, sagt Wolf Michael Gerhäusser von der Buchhandlung Rüger. Er stellt sich für die nächste Zeit auf wenig Schlaf und viel Arbeit ein. „Dass es uns immer noch so gut geht, liegt an der Treue unser längjährigen Stammkunden.“ Trotz der Konkurrenz durch Amazon.