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Mettmann: Wegerecht: Es gibt immer wieder Streit

Mettmann : Wegerecht: Es gibt immer wieder Streit

Es ist ganz schön kompliziert: Wenn Spaziergänger im Wald unterwegs sind und auf einmal auf das Schild stoßen: "Dieser Weg ist wegen Bauarbeiten vorübergehend gesperrt". Gärten und Hofräume dürfen nicht betreten werden.

Dieser Weg ist wegen Bauarbeiten vorübergehend gesperrt. Wer beim Spaziergang durch Feld und Wald vor einem solchen Schild steht, ist womöglich erstmal ratlos. Immer häufiger werden Spaziergänger allerdings auch schlicht und einfach sauer und lassen ihre Wut an den Eigentümern aus. Im besten Fall wird dann einfach nur lautstark gestritten.

Ein Hofbesitzer aus Mettmann beklagte kürzlich, dass ihm Fahrräder vor die Füße geworfen wurden. Ein anderer griff offenbar zur Selbstjustiz und überschüttete die aufgebrachten Spaziergänger mit einem Jaucheguss.

Das Verfahren landete vor Gericht. Geurteilt wird dort nach gründlicher Prüfung der Sachlage, aber immer auf Einzelfall bezogen. So durfte ein Haaner Hofbesitzer kürzlich den Weg durch sein Grundstück schließen. Auch der Fußweg hinter dem ehemaligen Haus Wanderclub wurde schon vor Jahren gesperrt. Ein weiterer Fall im Neandertal wird derzeit vor Gericht verhandelt. In Mettmann wurden zwei Wege wegen Baumaßnahmen gesperrt: Ob es nur vorübergehend sein wird, ist derzeit noch unklar.

Die Fälle, in denen aus gesperrten Wegen Streitigkeiten entstehen, scheinen sich zu häufen. Auch wenn Planungsamtsleiter Georg Görtz sagt: "Mit Blick auf das gut ausgebaute Wegenetz sind es nur sehr wenige." Aber auch beim Kreis Mettmann weiß man, dass der Naherholungsdruck zugenommen hat. Immer mehr Walker, Mountainbiker und Reiter sind neben den Spaziergängern unterwegs, was offenbar nicht jedem Landbewohner passt. "Wer aus der Stadt aufs Land zieht, möchte meistens seine Ruhe haben", erklärt Görtz, wo das größte Konfliktpotential lauert.

Denn in den meisten Streitfällen seien es nicht Landwirte, sondern zugezogene "Städter", denen der unerwartete Trubel in der ländlichen Idylle gehörig auf die Nerven geht. Reißt irgendwann der Geduldsfaden, wird schnell zum Sperrschild wegen vermeintlicher Bauarbeiten gegriffen. Manchmal finden die auch statt - und danach bleibt das Schild zur Abschreckung ungebetener Gäste einfach stehen. "Das geht natürlich nicht. Für derartige Maßnahmen braucht man meist eine Genehmigung", klärt Georg Görtz über die Sachlage auf.

Die ist allerdings derart kompliziert, dass auch Experten damit ihre Mühe haben. Öffentlich gewidmete Wege, Privatwege oder Wanderwege mit gesetzlich geregeltem Betretungsrecht? Wer da noch durchblicken will, muss Gesetzeswerke wälzen. Und wer will schon eine Paragraphensammlung mit sich herumtragen, um sich im Zweifel auf gesperrten Wegen Durchlass zu verschaffen. Gelegentlich greifen Eigentümer auf der Suche nach abschreckenden Maßnahmen auch zu Gesetzeslücken und lassen Torpfosten und ähnliche "Abweiser" bauen. "Auch das geht nicht so einfach, wenn dadurch Spaziergänger vom Betreten von Wegen abgehalten werden sollen", sagt Georg Görtz.

Grundsätzlich sei man beim Kreis allerdings um einvernehmliche Lösungen bemüht. Dass es durchaus gelingen kann, zeigen die 230 Kilometer, auf denen sich der "Neanderlandsteig" durch die Landschaft schlängelt. Unzählige Stunden hat Friedhelm Reusch dafür mit Eigentümern verhandelt. Immer wieder ist er hingegangen, hat nach Lösungen gesucht, und sie meist auch gefunden. "Man muss einfach miteinander ins Gespräch kommen", verrät der Koordinator des Mammutprojektes, wie es funktionieren kann. Auch für die Wege auf Mettmanner Stadtgebiet - am Diepensiepen und in Obmettmann - ist der Gesprächsfaden noch nicht gänzlich gerissen.

"Wir verhandeln noch mit den Eigentümern. Manchmal brauchen tragbare Kompromisse einfach Zeit", hofft Friedhelm Reusch auf eine einvernehmliche Lösung.

(magu)