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Mettmann: War in der Nacht noch ein anderer Mann am Tatort?

Mettmann : War in der Nacht noch ein anderer Mann am Tatort?

Gericht rekonstruiert den Totschlag im Benninghof.

Den Tod eines psychisch Kranken (53) in der Wohneinrichtung Benninghof im vergangenen Oktober könnte ein anderer Bewohner verursacht haben, als derzeit beschuldigt ist. Diesen Hinweisen geht das Landgericht Wuppertal jetzt im Verfahren wegen Totschlags gegen einen 55-jährigen Mettmanner nach. Der ebenfalls psychisch kranke Mann kämpft gegen seine Dauereinweisung in die Psychiatrie zum Schutz der Allgemeinheit.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der 53-Jährige seinen Mitbewohner im Streit nachts erwürgte - mit bloßen Händen. Er soll sich über zu lautes Verhalten des Getöteten aufgeregt haben; damit habe er aufgrund seiner Krankheit nicht umgehen können. Zumindest ein weiterer Bewohner (59) des Hofes hat aber eine eigene Version: Demnach waren er und der Beschuldigte im Zimmer des später Getöteten, als der einen epileptischen Anfall erlitt. Man habe den geschwächten Mann mit vereinten Kräften auf dessen Bett gehoben. Damit wäre nicht auszuschließen, dass der 59-Jährige zumindest Zeuge der Tat war. Das wiederum könnte in Frage stellen, ob der Beschuldigte allein als Täter in Betracht kommt. Der 59-Jährige sagte im Zeugenstand aus, konnte aber nicht einordnen, wann sich die beschriebene Szene zugetragen haben soll. Eine Betreuerin (39) erläuterte: "Er weiß nicht, an welchem Datum etwas geschehen ist. Er kann auch die Uhr nicht lesen." Das Problem für die Richter: Dieser Zeuge lebt in einem anderen Gebäude des Hofs, das abends verschlossen wird.

Laut Beschäftigten können die Bewohner die Häuser leicht auch nachts verlassen - etwa durch ein Fenster. Sie kämen dann aber nur schwer unbemerkt wieder zurück. "Er hätte zwei Türen mit jeweils einem Stuhl blockieren müssen, um zurückkommen zu können", sagte eine Betreuerin. Ob er so vorausschauend handeln könne, fragte eine Richterin nach. Das hänge von seiner Tagesform ab - er leide an Demenz, war die Antwort. Und: Sie traue ihm körperlich nicht zu, ein Opfer zu erwürgen, das sich wehrt.

Der Beschuldigte verfolgte die stundenlangen Vernehmungen aufmerksam und kommentierte einzelne Aussagen mit seiner Betreuerin, die neben ihm saß. Der Mann ist seit Entdeckung der Tat vorläufig in einer geschlossenen Klinik untergebracht. Der Prozess wird am 11. Juni fortgesetzt.

(der)