Vortrag in Trills Was alte Kirchenfenster erzählen

Erkrath · Sie lassen nicht einfach nur Licht herein und sind schön bunt, sondern inszenieren Heilige und Propheten und berichten von Kulturkämpfen. Wer mehr über die symbolische Bedeutung von historischen Kirchenfenstern erfahren möchte, ist beim Bergischen Geschichtsverein richtig.

 Petrus in bodenlanger weißer Tunika und mit zwei Schlüsseln auf einem der historischen Fenster der Kirche St. Franziskus in Trills.

Petrus in bodenlanger weißer Tunika und mit zwei Schlüsseln auf einem der historischen Fenster der Kirche St. Franziskus in Trills.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

(hup/RP) Wenn die Sonne durch die Scheiben scheint, leuchtet der Kirchenraum in den schönsten Farben. Aber Kirchenfenster sind nicht einfach nur bunt und schön anzuschauen – sie erzählen auch Geschichten aus der Bibel, von bekannten und wichtigen Personen wie Heiligen und Propheten. Auf einige besondere Fenster in der katholischen Kirche St. Franziskus in Trills will die Erkrather Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins am kommenden Samstag mit einem Vortrag aufmerksam machen.

Veranstaltungsort ist natürlich die Kirche selbst, die dank einiger glücklicher Fügungen noch mit historischen Fenstern gesegnet ist. Hans-Josef Rosenbach vom Kirchenvorstand wird sich in seinem Vortrag auf die Fensterbilder im Chor konzentrieren, in denen sich die katholische Kirche mit dem evangelisch geprägten preußischen Staat und mit dem kirchenfeindlichen Rationalismus auseinandersetzt. Diese Fenster wurden 1881 hergestellt, als der politisch-religiöse Kampf in vollem Gange war. Vor allem am Beispiel des Trillser Petrusfensters soll erläutert werden,  wie Fensterbilder genutzt wurden, um zu den damals hochaktuellen Problemen Stellung beziehen. Die Kulturkampf genannte Auseinandersetzung hatte 1815 begonnen, Höhepunkte waren die Jahre 1837 bis 1845 und 1871 bis 1885.

Dass die Trillser Kirche überhaupt noch über gläserne Zeugen dieser Zeit verfügt, ist das Resultat einer Geldknappheit, wegen der die St.-Fanziskus-Gemeinde Hochdahl in den 1950er Jahren auf eine umfangreiche Sanierung der historischen Kirchenfenster hatte verzichten müssen. Sonst wären die farbenprächtigen neugotischen Fenster womöglich auf dem Müll gelandet, so wie es damals mit vielen künstlerisch wertvollen Fenstern in Gotteshäusern in Deutschland geschehen ist. Denn der Trend bei den Renovierungen ging seinerzeit in Richtung schlichte einfache Rechteckfenster, also weg von den figürlichen Darstellungen.

Weil aber der Pfarrgemeinde damals schlichtweg das Geld fehlte, wurden 1953 lediglich einige Windlöcher in den alten Fenstern geschlossen. Dass sie später noch einmal umfangreich saniert werden mussten, lag an einer weiteren Reparatur in den 1970er Jahren. Damals war Plexiglas vor die historischen Fenster gesetzt und verkittet worden. Was sich letztlich als Fehler erwies, denn in die schmalen Zwischenräume drangen Wasser und Staub ein – ein idealer Nährboden für Algen und Moose, die den alten Fenstern zunehmend zusetzten.

So entschloss sich die Gemeinde am Ende doch noch zu einer umfangreichen Sanierung. Da derartige Kirchenfenster im Erzbistum rar sind, gab es schnell grünes Licht für die Maßnahme und die Übernahme von 70 Prozent der Kosten durch das Bistum. Die zehn Fenster im Kirchenschiff erstrahlten wieder im neuen Glanz und die historischen Scheiben aus dem Chorraum wurden wieder eingesetzt werden. Nach dem neuen Konzept wird einer Veralgung vorgebeugt. Den Wetterschutz nach außen hin übernehmen Verbundglasfenster, ähnlich wie sie als Autoscheiben genutzt werden.

In einem Abstand von etwa vier Zentimetern sind die Buntglasscheiben von innen dagegen gesetzt und jeweils an vier Punkten fest verschraubt. Zwischen Bund- und Klarglas blieb ein Zwischenraum mit einer Kaminwirkung, was Beschlagen und Vereisen der historischen Fenster verhindert. Schon damals war das eine sehr teure Angelegenheit, die allerdings lokale Sponsoren auf den Plan rief. Ein Großteil der Kosten trug die Familie Kemperdick, die mehrere Fenster stiftete und die der Gemeinde auch das Gelände für den Kirchenbau zur Verfügung gestellt hatte.

Die Buntglasfenster im Chor stammen von 1881, die übrigen entstanden zwischen 1899 und 1905. Zumindest für die Seitenfenster gilt als sicher, dass sie von der Glasmacherei Hertel und Lersch aus Düsseldorf stammen, deren Mitinhaber Carl Hertel auch Kunst studiert hatte.

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